Prozess vor Militärgericht WikiLeaks-Informant Manning entschuldigt sich erstmals

"Es tut mir leid, dass ich die Vereinigten Staaten verletzt habe": Der US-Obergefreite Bradley Manning hat sich vor dem Militärgericht in Fort Meade dafür entschuldigt, Material an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben zu haben.

Wikileaks-Informant Bradley Manning: "Wollte nicht verletzen"
AFP

Wikileaks-Informant Bradley Manning: "Wollte nicht verletzen"


Fort Meade - Der WikiLeaks-Informant Bradley Manning hat sich vor Gericht für seine Handlungen entschuldigt. Es tue ihm leid, dass seine Taten den USA Schaden zugefügt hätten, sagte der 25 Jahre alte US-Obergefreite am Mittwoch vor einem Militärgericht in Fort Meade bei Washington.

"Es tut mir leid, dass ich Leute verletzt habe. Es tut mir leid, dass ich die Vereinigten Staaten verletzt habe. Ich entschuldige mich für die unerwarteten Folgen meines Handelns. Die vergangenen drei Jahre waren ein Lernprozess für mich", sagte Manning.

Manning erklärte, er habe verstanden, was er tat und welche Entscheidungen er fällte. Dennoch habe er zu der Zeit nicht geglaubt, dass die Weitergabe der Informationen Schaden verursachen könnte. "Unglücklicherweise kann ich nicht zurückgehen und die Dinge ändern", sagte er. "Wenn ich auf die Entscheidungen zurückschaue, frage ich mich, wie in aller Welt ich, ein junger Analyst, wirklich glauben konnte, ich könnte die Welt zum Besseren verändern", ist in seinem Statement, das die Nachrichtenagentur AP verbreitet, zu lesen.

"Zum Zeitpunkt meiner Entscheidungen hatte ich viele Probleme, die ich weiterhin habe. Obwohl sie mein Leben extrem schwierig machen, sind sie keine Entschuldigung für mein Handeln. Ich werde den Preis dafür bezahlen und ich hoffe, dass ich eines Tages auf eine Weise leben kann, zu der ich in der Vergangenheit nicht fähig war. Ich will ein besserer Mensch werden." Er wolle einen Abschluss und eine Ausbildung machen.´

Geschlechtsidentitätsstörung und Zwangserkrankung

Manning war vor rund zwei Wochen unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig erklärt worden. Er hatte gestanden, Hunderttausende geheime US-Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergereicht zu haben. Das genaue Strafmaß soll noch im August verkündet werden. Die Höchststrafe liegt bei 90 Jahren. Mannings Aussage am Mittwoch war Teil des Verfahrensabschnittes, in dem das Strafmaß festgelegt wird.

US-Hauptmann Michael Worsley, der Manning zwischen Dezember 2009 bis Mai 2010 während seines Einsatzes im Irak behandelte, bezeugte, dass Manning unter enormem Stress stand. Er hatte Probleme mit seiner sexuellen Identität und war gleichzeitig in einer "hyper-maskulinen" Umgebung des Kriegs. Erst als er einen anderen Soldaten schlug, erfuhr Worsey von Mannings Problemen. Zuvor hatte er keine Unterstützung.

Der Kriminalpsychologe und Zeuge der Verteidigung, David Moulton, bescheinigte Manning eine Geschlechtsidentitätsstörung, Narzissmus und eine Zwangserkrankung. Durch eine sich auflösende Beziehung und die Belastung durch den Dienst im Irak sei das verstärkt worden. Manning sei der Auffassung gewesen, dass die Informationen, die er weitergab, "die Sicht der Welt auf die Kriege im Irak und in Afghanistan ändern könnte, sogar die Sicht auf alle zukünftigen Kriege", sagte Moulton.

mia/dpa/AP/Reuters

insgesamt 78 Beiträge
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karend 14.08.2013
1. Entschuldigung
Zitat von sysopDPA"Es tut mir leid, dass ich die Vereinigten Staaten verletzt habe": Der US-Obergefreite Bradley Manning hat sich vor dem Militärgericht in Fort Meade dafür entschuldigt, Material an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wikileaks-informant-manning-entschuldigt-sich-vor-gericht-a-916668.html
Wie ich es wahrnehme, entschuldigt sich ein Mann, dessen Wille gebrochen wurde.
tsitsinotis 14.08.2013
2. Schlimm, aber menschlich .
nun haben sie ihn kleingekriegt.
Trondesson 14.08.2013
3.
Witzig. Solche Entschuldigungen und Geständnisse hat man auch im Vietnam-Krieg gelegentlich zu hören bekommen - von Amerikanern in Nordvietnamesischer Gefangenschaft.
Martin_F 14.08.2013
4.
Zitat von sysopDPA"Es tut mir leid, dass ich die Vereinigten Staaten verletzt habe": Der US-Obergefreite Bradley Manning hat sich vor dem Militärgericht in Fort Meade dafür entschuldigt, Material an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben zu haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/wikileaks-informant-manning-entschuldigt-sich-vor-gericht-a-916668.html
"Die vergangenen drei Jahre waren ein Lernprozess für mich." Nach drei Jahren im Militärgefängnis würde ich mich wahrscheinlich auch für alles mögliche entschuldigen. "Die Höchststrafe liegt bei 90 Jahren". Und dass der arme Kerl nun noch versucht das beste aus seiner Lage zu machen ist menschlich.
gebit 14.08.2013
5. Was ist das
für eine Demokratie. Man bekommt 90 Jahre wenn man die Welt darüber aufklärt welche Kriegsverbrechen die USA begehen und man bekommt einen Orden wenn man unbeteiligte Zivilisten aus dem Hubschrauber heraus wie Hasen abknallt. Dafür kann es nur Verachtung geben.
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