WikiLeaks-Prozess Anklage fordert mindestens 60 Jahre Haft für Manning

Geht es nach dem Willen der Anklage, soll der WikiLeaks-Informant Bradley Manning bis ans Ende seines Lebens im Gefängnis bleiben. Die Staatsanwaltschaft forderte mindestens 60 Jahre Haft. Die Strafe solle auch eine Warnung für mögliche Nachahmer sein.


Fort Meade - Die Staatsanwaltschaft will Bradley Manning frühestens dann wieder in Freiheit sehen, wenn er das Greisenalter erreicht hat. Im Prozess gegen den WikiLeaks-Informanten forderte die Anklage eine Haftstrafe von mindestens 60 Jahren. Staatsanwalt Joe Morrow verlangte am Montag vor dem Militärgericht in Fort Meade, Manning wegen seiner Rolle bei der Veröffentlichung von vertraulichen US-Dokumenten auf der Enthüllungsseite WikiLeaks außerdem zu einer Geldstrafe von 100.000 Dollar zu verurteilen. Morrow rief Richterin Denise Lind auf, mit einem harten Strafmaß eine "Botschaft" an all jene US-Soldaten zu schicken, die den Diebstahl von Geheiminformationen in Betracht zögen.

Das Gericht in Fort Meade hatte Manning Ende Juli in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter Verstöße gegen ein Spionagegesetz sowie Diebstahl von Militärdokumenten und Depeschen der US-Diplomatie. Vom besonders schwerwiegenden Vorwurf der Unterstützung des Feindes wurde der 25-jährige Obergefreite aber freigesprochen. Er hatte im Prozess gestanden, Hunderttausende geheime US-Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergereicht zu haben.

Die Verkündung des Strafmaßes durch Richterin Lind wird für die kommenden Tage erwartet.

Zuletzt hatte sich Manning vor Gericht für seine Handlungen entschuldigt. Es tue ihm leid, dass seine Taten den USA Schaden zugefügt hätten, sagte er vergangene Woche. "Es tut mir leid, dass ich Leute verletzt habe. Es tut mir leid, dass ich die Vereinigten Staaten verletzt habe. Ich entschuldige mich für die unerwarteten Folgen meines Handelns. Die vergangenen drei Jahre waren ein Lernprozess für mich", sagte Manning.

Unterstützer wie der WikiLeaks-Chef Julian Assange beklagten danach, dass die US-Militärjustiz den 25-Jährigen mit der Aussicht auf ein hartes Urteil förmlich erpresst habe. "Es dauerte drei Jahre und mehrere Millionen Dollar, um zwei Minuten taktischer Reue aus diesem tapferen Soldaten herauszuholen."

ler/AFP/dpa

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ikarus47 19.08.2013
1. Die Unterschiede zwischen Russland
und die Bewahrer von Menschenrechten und Demokratie zugunsten des Kapitals scheinen nicht allzu gross zu sein. Zumal der Helikopterpilot der da so eine Art Hasenjagd betrieben hat,immer noch auf freiem Fuss rumläuft. Ja , der Drohnenmeister hat den Nobelpreis allemal verdient.
Babaji 19.08.2013
2. Ein Exempel statuieren
in einem Rechtsstaat. So ist recht...naja...eher nicht so ganz. Woher stammt die Aussage "Die Strafe solle auch eine Warnung für mögliche Nachahmer sein."? Falls das die Gerichte und Staatsanwalt zu "verschulden" haben, wäre das natürlich mal eine Glanzleistung, die uns Bürger zu denken geben sollte. Relevant? Nicht in unserem Land, noch nicht. Aber was dort drüben gilt, hat bei uns durchaus Konsequenzen - was vor allem die jüngsten Überwachungsskandale deutlich gemacht haben sollten. Keine gesunde Entwicklung - ich fürchte mich um unser aller Freiheit. Noch ist es nicht gravierend und sonderlich spürbar. Aber in ferner Zukunft - bei diesem Verlauf - zeichnet sich ein düsteres Bild ab...
jojomax 19.08.2013
3. Kein Unterschied zu Russland!
Wer den Mächtigen in die Quere kommt, muss dran glauben. Das ist in Amerika nicht anders als in Russland. Im Fall des Falles werden die Gesetze zurechtgebogen. Der, der Verbrechen aufgedeckt hat, geht für Jahrzehnte hinter Gitter, und die Verbrecher im Auftrag des US-Kapitals laufen frei herum. Wer dieses Amerika noch für einen Hort der Freiheit hält, muss dumm oder blind oder beides sein!
Korken 19.08.2013
4. Verfassung? Was ist das?
Früher wurden ja die Überbringer schlechter Nachrichten getötet, heute muss man für noch nichtmal unbedingt schlechte Nachrichten nur noch lebenslänglich ins Gefängnis... da pfeifen wir doch mal so nebenbei auf den 8. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung. Den 1. Artikel wollen wir mit den ganzen Gag Orders gar nicht erst erwähnen...
Heike111 19.08.2013
5. Bradley Manning
hat die Welt überwunden. Ich weiss wo sein Ort sein wird. "denn seelig sind die da nach der Gerechtigkeit dürsten, denn ihrer ist das Himmelreich, seelig sind die da Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heissen, und seelig sind die barmherzigen, denn sie werden getröstet werden". Bradley Manning hat die Welt überwunden. Und ich sende meinen Herrn an sein Bett, an die Stelle wo er sein Haupt lagern wird. Lest was Gottes Sohn sagt, und er ist gerecht und er liebt die Wahrheit. Diebstahl? Was Manning getan hat ist viel größer, und der Herr sieht immer den Grund an aus welchem wir getan haben. 60 Jahre? Warte Bradley, das Ende versüsst dir der Gerechte.
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