WikiLeaks US-Regierung verurteilt Guantanamo-Enthüllungen

Pentagon und Außenministerium haben die Weitergabe von geheimen Informationen über das Gefangenenlager Guantanamo an WikiLeaks kritisiert. Die US-Regierung zeigte sich "unglücklich" über die Veröffentlichung der Dokumente in zahlreichen Medien.
US-Verteidigungsministerium (Archivbild): Kritik an neuem Geheimnisverrat

US-Verteidigungsministerium (Archivbild): Kritik an neuem Geheimnisverrat

Foto: Corbis

Hamburg - Die US-Regierung hat die erneute Veröffentlichung von geheimen Dokumenten durch die Enthüllungsplattform WikiLeaks kritisiert. Der Sprecher des Pentagon und ein Sondergesandter des US-Außenministeriums verbreiteten eine entsprechende Erklärung. Es sei unglücklich, dass die "New York Times" und andere Medien sich dazu entschlossen hätten, zahlreiche illegal weitergegebenen Dokumente zu veröffentlichen.

Gleichzeitig bestätigte die Regierung die Echtheit der Dokumente. Die vom Verteidigungsministerium erstellten "Detainee Assessment Briefs" (DABs), detaillierte Akten zu allen Insassen des Gefangenenlagers auf Kuba, seien zwischen 2002 und 2009 verfasst worden - mit dem damaligen Informationsstand.

Die Ergebnisse der "Guantanamo Review Task Force", die im Januar 2009 ihre Arbeit aufgenommen hatte, seien hingegen nicht an WikiLeaks verraten worden. Deshalb spiegelten die illegal weitergegebenen DABs nicht in allen Fällen die aktuelle Einschätzung der einzelnen Gefangenen wider, teilte die US-Regierung mit.  In einigen Fällen sei die "Review Task Force" zu gleichen Einschätzungen gelangt, in anderen hingegen aufgrund von neueren Informationen nicht.

Sowohl zu Zeiten der Regierung von Präsident George W. Bush sowie seines Nachfolgers Barack Obama habe der Schutz der US-Bürger "oberste Priorität" gehabt. Weiter heißt es, die Veröffentlichung der Dokumente könnte diesen Anstrengungen schaden.

Im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba sind neuen Veröffentlichungen des Enthüllungsportals WikiLeaks zufolge jahrelang zahlreiche Unschuldige festgehalten worden. Die geheimen US-Militärdokumente, die auch dem SPIEGEL vorliegen, fassen die Situation aller seit 2002 in Guantanamo einsitzenden Häftlinge zusammen. Am Sonntagnachmittag begannen US-amerikanische und europäische Medien, auf Grundlage der als "geheim" eingestuften Akten zu berichten.

ore/AFP
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