Datenschatz WikiLeaks veröffentlicht E-Mails von Syriens Machtelite

Die Plattform WikiLeaks hat eine neue Enthüllungsaktion gestartet: Die Netzaktivisten wollen insgesamt zwei Millionen E-Mails von syrischen Politikern veröffentlichen. Die Dokumente seien "verfänglich für das Regime, aber ebenso verfänglich für die Oppositionellen außerhalb Syriens".
Neue WikiLeaks-Enthüllungen: Zwei Millionen syrische Mails sollen veröffentlicht werden

Neue WikiLeaks-Enthüllungen: Zwei Millionen syrische Mails sollen veröffentlicht werden

Foto: SPIEGEL ONLINE

Damaskus - Die Internet-Enthüllungsplattform WikiLeaks steht offenbar vor einer neuen, spektakulären Veröffentlichung. Die Aktivisten machten am Donnerstag die ersten von mehr als zwei Millionen E-Mails syrischer Politiker und anderer Persönlichkeiten sowie von Ministerien und Unternehmen des Landes öffentlich. Dies erklärte WikiLeaks-Sprecherin Sarah Harrison bei einer Pressekonferenz in London. Die Korrespondenzen stammten aus den Jahren 2006 bis 2012.

Die E-Mails seien "verfänglich für Syrien, aber ebenso verfänglich für die Oppositionellen außerhalb Syriens", erklärte WikiLeaks-Mitbegründer Julian Assange, der sich Mitte Juni vor einer drohenden Auslieferung an Schweden in die Botschaft Ecuadors in London geflüchtet hatte. Genauere Angaben zum Inhalt der E-Mails machten der 41-Jährige und Sprecherin Harrison jedoch nicht.

Wie WikiLeaks an das Material gekommen ist, sagte Harrison nicht. Es soll in einer öffentlich durchsuchbaren Datenbank gesammelt werden. Außerdem arbeitet WikiLeaks mit mehreren Medien zusammen, die die Mails nach Geschichten durchforsten wollen. Dazu zählt auch der deutsche NDR.

Es ist nicht das erste Mal, dass verfängliche Korrespondenzen öffentlich werden. Mitte März hatte die britische Zeitung "The Guardian" E-Mails veröffentlicht, die von den privaten Accounts des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und dessen Frau Asma stammen sollten.

Die E-Mails zeigen demnach, dass sich die syrische Regierung bei der Niederschlagung der seit mehr als einem Jahr andauernden Proteste im Land offenbar mehrfach vom Iran beraten ließ. Weitere Mails belegten zudem den ausschweifenden Lebensstil des Präsidentenpaars.

Assange hält sich derzeit in der ecuadorianischen Botschaft in London auf, wo er politisches Asyl beantragte. Er soll von Großbritannien an Schweden ausgeliefert werden, wo ihm Sexualdelikte zur Last gelegt werden. Assange fürchtet aber, letztlich an die USA ausgeliefert und dort wegen brisanter Enthüllungen durch sein Internetportal WikiLeaks verfolgt zu werden.

jok/AFP/dapd
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