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Winternot in Afghanistan Kriegsflüchtlinge leben in Schlamm und Müll

Sie fliehen vor dem Krieg in die Hauptstadt - aber dort sind sie ebenfalls in Gefahr: In Kabul müssen die afghanischen Binnenflüchtlinge in provisorischen Behausungen den Härten des Winters am Hindukusch trotzen. Ein deutscher Verein verteilt Überlebenspakete in den Slums.

Die Straßenkinder von Kabul tragen schmutzige Pullover, die ihnen fast vom Leib fallen, sie haben struppiges Haar und oft nur Sandalen an den Füßen, bei Schneematsch und eisigem Wind. Für ein paar Afghani schwenken sie qualmende Weihrauchbüchsen über die Windschutzscheiben der Autofahrer und sprechen gute Wünsche aus. Abends kehren die Kinder in ein Zuhause zurück, das kaum mehr ist als eine Lehmhöhle mit Plastikplanen, ein fensterloses Gebilde aus Steinen und Holz, sie teilen es mit ihrer Familie, auf einer Brache fünf Kilometer nördlich des Zentrums von Kabul.

Eine Handvoll Unternehmer sind in Afghanistan in den vergangenen zehn Jahren zu Multimillionären geworden, für die meisten Bürger am Hindukusch aber ist das Leben ein Kampf um Leben und Tod geblieben. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen in diesen Tagen, wenn die Temperaturen auf bis zu minus zehn Grad sinken. "Wir haben bisher drei Kinder verloren", sagt Mohammed Gul. Er ist der sogenannte Älteste des Flüchtlingscamps Parwan-2, 29 Familien hausen hier.

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Winter in Afghanistan: Die Not der Kriegsflüchtlinge

Foto: S. Sabawoon/ dpa

Zuvor lebten sie im Kacha-Gali-Lager in Peschawar, Pakistan. Die afghanische Regierung hatte ihnen Land versprochen, wenn sie zurückkehren. Sie kamen gerne wieder in die Heimat und hofften auf einen Neuanfang. Als sie aber ihre Häuser auf dem zugesagten Stückchen Erde bauten, vergangenen Sommer nahe dem größten US-Militärflughafen in Bagram, explodierten immer wieder Minen, eines ihrer Kinder starb, zwei weitere wurden schwer verletzt. "Da konnten wir nicht bleiben", sagt Mohammed Gul.

In der Behausung, in der Mohammed Gul mit seiner Frau und den sieben Kindern lebt, ist der Gasofen die einzige Wärmequelle. Die Wäsche draußen auf der Leine ist gefroren. Im eigenen Land erhalten Vertriebene wie Gul kaum Unterstützung von der Regierung. Man will die Bildung von Slums verhindern und versuche dafür die Rückführung von Flüchtlingen in ihre Dörfer zu fördern, heißt es.

Ein Dilemma: Denn 35.000 Vertriebene leben hier in Kabul in der Kälte, in ganz Afghanistan sind es noch mindestens 500.000 Menschen, die nicht wissen, wohin. Nach dem harschen Wintereinbruch vor zwei Wochen starben landesweit mindestens 19 Personen wegen des feuchtkalten Wetters, vor allem Kinder und ältere Menschen.

"An Schule ist gar nicht zu denken"

"Sie leben in Schlamm und Müll, die Kleinen haben keine warme Kleidung, an Schule ist gar nicht zu denken", berichtet der örtliche Mitarbeiter von "Afghanistan-Schulen", Zain Gul. Die deutsche Hilfsorganisation aus Oststeinbek bei Hamburg begann in der vergangenen Woche, in zwei Camps in Kabul Grundnahrungsmittel wie Reis, Öl und Mehl an die Bewohner zu verteilen. Die deutsche Initiatorin, Marga Flader, unterstützt seit Jahrzehnten Schulprojekte im Norden Afghanistans. Nach ihrem jüngsten Besuch in Afghanistan im Oktober gründete sie nun spontan das "Winterhelp Project".

Bisher erhielten 62 Familien und 48 Witwen ein durch Spenden finanziertes Überlebenspaket, das 24 Kilo Reis, 49 Kilo Mehl und 15 Liter Öl enthält. Damit kann eine sechsköpfige Familie knapp vier Wochen überleben. Jedes Paket kostet 65 Euro.

Nachdem im vergangenen Jahr in Afghanistan mehr als hundert Menschen durch die Kälte starben, kritisieren Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International die "vermeidbare Tragödie" und mahnen eine "besser koordinierte Winterhilfe" an. Die Aktivisten beobachten auch, wie das Interesse der Spender für Afghanistan nachlässt, mit dem Abzug der internationalen Truppen im nächsten Jahr könnte es zunehmend versiegen.

Viele Binnenflüchtlinge stammen wie Abdul Momin, Sohn eines Handwerkers aus Nangahar, der mit seiner Familie in einem Camp nahe des Karga-Sees unweit der Hauptstadt unterkam, aus den Grenzgebieten zu Pakistan. Die Ostprovinzen sind Durchgangsgebiet für Taliban-Kämpfer, die Dörfer werden aber auch von der afghanischen Armee und ihren Verbündeten beschossen, berichtet der 34 Jahre alte Schreiner.

Die Zivilisten geraten zwischen die Fronten, viele fliehen und hoffen, in Kabul wenigstens Sicherheit zu finden, vielleicht auch einen Neuanfang. Doch wer nicht stark genug ist, es mit dem kalten Winter aufzunehmen, auf den wartet auch hier der Tod.

Spenden für Afghanistan

Zweckgebundene Spenden für das "Winterhelp project"
Kontoinhaber: Afghanistan-Schulen e.V.
Bank: EthikBank
BLZ: 830 944 95
Konto Nr.: 103 041 050
Stichwort: Winterhilfe Kabul

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