Angebliche Putin-Drohung "Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen ein"

Wladimir Putin soll EU-Kommissionschef Barroso am Telefon gedroht haben, er könne die ukrainische Hauptstadt Kiew in zwei Wochen einnehmen. Der entsprechende Bericht einer italienischen Zeitung wurde SPIEGEL ONLINE in Brüssel bestätigt.
Präsident Putin: Drohung am Telefon

Präsident Putin: Drohung am Telefon

Foto: Alexei Nikolsky/ AP/dpa

Brüssel - Inmitten der Zuspitzung der Ukraine-Krise sorgt eine mutmaßliche Drohung Wladimir Putins für Aufsehen. Die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtet in einer Rekonstruktion des EU-Gipfels am Samstag in Brüssel, der scheidende Kommissionspräsident José Manuel Barroso habe den versammelten Staats- und Regierungschefs von einem Telefonat berichtet, das er soeben mit dem russischen Präsidenten geführt habe.

Barroso habe ihn wegen der grenzübergreifend operierenden Soldaten zur Rede stellen wollen. Daraufhin habe Putin geantwortet, das Entscheidende sei vielmehr: "Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen." Ein westeuropäischer Diplomat, der den Gipfel begleitete, bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass Barroso die Episode so geschildert habe.

Laut "Repubblica"  habe Putin mit dem Satz deutlich machen wollen, dass man ihn nicht mit neuen Sanktionen provozieren solle. Nach Barrosos Wortmeldung habe der britische Premier David Cameron vor einer Beschwichtigungspolitik gegenüber Putin gewarnt. Man dürfe nicht die Fehler des "Appeasement" gegenüber Nazi-Deutschland im Jahr 1938 wiederholen. Der Autor der "Repubblica" schreibt, Vertreter mehrerer Delegationen hätten ihm den Ablauf des Wortwechsels bestätigt.

Das Blatt berichtet auch, dass zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel das Wort ergriffen und wütend gewirkt habe. Putin bewege sich auf eine militärische Eskalation hin, wird sie zitiert. Demnach warnte die Kanzlerin davor, dass nach der Ukraine auch Lettland und Estland von russischen Plänen betroffen sein könnten.

Das scheint plausibel: Merkel hat wiederholt gewarnt, man könne Putin in diesem Konflikt nicht trauen. Auch in ihrer Regierungserklärung im Bundestag am Montag warf die Kanzlerin Moskau vor, im Ukraine-Konflikt gewaltsam die Grenzen verändern zu wollen.

fab/csc
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