Putin auf Athos Hier bin ich Mönch, hier darf ichs sein

Wladimir Putin besucht die Mönchsrepublik Athos in Griechenland. Für die Bewohner ist es mehr als eine Politikervisite - sie sehen im russischen Präsidenten einen Helden und Beschützer.

DPA

Vom Berg Athos berichtet


Russland und sein Präsident Wladimir Putin sind in Griechenland beliebt, aber vielleicht an keinem Ort so sehr wie in der Klostergemeinde Berg Athos, einem der heiligsten Orte des orthodoxen Christentums.

Als Putin an diesem Sonnabend zum Abschluss seines Staatsbesuches in Griechenland Athos erreichte, empfingen ihn die Mönche zumindest wie einen Superstar, und noch mehr: als den Verteidiger ihres Glaubens und als treuen Verbündeten Griechenlands.

Der Reihe nach: Die autonome Mönchsrepublik Athos im Norden Griechenlands kann auf eine mindestens 12 Jahrhunderte lange Geschichte zurückblicken. Bis heute wird der Ort von jenen besucht, die eine Unterbrechung vom geschäftigen Alltag in der Ruhe von Athos suchen.

Doch die erwartete Ankunft Putins unterbrach das sonst so friedvolle Leben in Karyes, der Hauptstadt von Athos. Da waren die Boote der Hafenpolizei, die auf dem Wasser patrouillierte. Da waren die russischen Sicherheitsleute, in Sonnenbrille und Anzug, die seit dem frühen Morgen die gepflasterten Gassen inspizierten. Und auf den Balkonen hatten griechische Scharfschützen Position bezogen. Schließlich kam der griechische Präsident Prokopis Pavlopoulos gemeinsam mit Putin auf die Halbinsel.

"Der einzige wahre Anführer auf der Welt"

Pilger, und sogar ein paar Mönche, wurden abgedrängt, kurz bevor die Fahrzeugkolonne des russischen Präsidenten ankommen sollte. Die Ladenbesitzer wies die Polizei an, ihre Geschäfte von innen zu verschließen und dort auszuharren. Ausnahmezustand auf Athos.

Richtig hektisch wurde es gegen 14.40 Uhr, als Putin im schwarzen Mercedes vorgefahren wurde und vom Protos, dem obersten Verwalter des Berg Athos, und Glockengeläut empfangen wurde. Da rauschten gleich Dutzende Journalisten, Würdenträger und Mönche heran, um die Begegnung mit ihren Smartphones festzuhalten.

Es war der zweite Besuch Putins in Athos, der Mönchsrepublik, die Frauen den Zutritt verwehrt. Putin war gekommen, um das tausendjährige Jubiläum der Ankunft russischer Mönche auf der schönen Halbinsel zu feiern.

Für Vater Efraimos hat der Besuch Putins aber eine viel größere Bedeutung: "Putin ist der einzige wahre Anführer auf der Welt", sagt er. "Wen soll man denn mit ihm vergleichen? Obama? Merkel? Da gibt es einfach keinen Vergleich", so der griechisch-orthodoxe Mönch, der sich zum Leben im Orden entschloss, als er 20 Jahre alt war.

Der Thron ist für Putin reserviert

Der Betreiber eines religiösen Souvenirladens in Karyes, ebenfalls Mönch, sagte, der Zeitpunkt des Besuchs trage enorme Bedeutung: Putin komme nämlich nur einen Tag vor dem Jahrestag des Falls Konstantinopels an die Türken.

Ein dritter Mönch sagte schließlich, hier auf Athos sei Putin der mit Abstand beliebteste Politiker. "Er ist ein orthodoxer Anführer, der Griechenland verteidigen wird, wenn es darauf ankommt."

Dafür gab es beim anschließenden Gottesdienst so etwas wie einen Beleg. Denn dort fehlte plötzlich der griechische Präsident Pavlopoulos, der ja gemeinsam mit Putin angereist war.

Der Grund: In der Kirche gab es nun einen Thron - und der war für den Ehrengast Putin reserviert. Für Pavlopoulos hätte es nur Platz in der Kirchenbank beim Fußvolk gegeben. Pavlopoulos' Stab versuchte noch die Mönche zu überreden, einen zweiten Thron neben Putins Sitz zu errichten. Aber ohne Erfolg: In der autonomen Republik Berg Athos geben die Mönche den Ton an - und wer ihr Lieblingsgast war, daran ließen sie keinen Zweifel.



insgesamt 73 Beiträge
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tartarin 28.05.2016
1. Nachfolger der Zaren
Für die Mönche von Athos ist Putin der legitime Nachfolger der Zaren und Beherrscher des "3. Roms" Moskau. Nach dem Untergang Komstantinopels wurde Moskau als das Zentrum des christlich-orthodoxen Glaubens angesehen.
deadhorse 28.05.2016
2. Athos
Warum, liebe Mönche auf Athos habt Ihr Euren Beschützer, etc, nicht dort behalten???
ackermart 28.05.2016
3. Hierzulande ...
hingegen - gelingt es selbst den Katholiken, bei den Atheisten hier - zu lande - als Protestant, also protestierender LEIDER GOTTES ... "ist diese Welt nicht so gut - wie ich ... und die so eben!" Wo bleibt Eure ... Freude schöner Götterfunken - ob dieser Rückbindung = Re-Ligion überhaupt über Gottes Haupt? Oder haltet Ihr das für anderen als in(-)dessen Humor?
OlafKoeln 28.05.2016
4. Enterprise
Erinnert mich an das Kloster von P'Jem. Es wird im 9./8. Jahrhundert v. Chr. von vulkanischen Hohepriestern gegründet. Unter dem Kloster war ein Horchposten der Vulkanier. Vielleicht sollte man bei dem Kloster auch mal nachschauen? :-)
defy_you 28.05.2016
5. Diese Mönchsrepublik
ist nix weiter als eine Steueroase. Das ist seit Jahren bekannt. Aber solange Merkel zahlt, braucht der griechische Staat da nix machen.
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