Putin über Russlandermittlungen der USA "Sie interessieren mich kein bisschen"

Wladimir Putin hat Donald Trumps Lieblingssender ein Interview gegeben: Darin bestreitet er, belastendes Material über den US-Präsidenten zu besitzen - und tut die Russlandermittlungen als "innenpolitische Spiele der USA" ab.
Wladimir Putin

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Foto: Chris McGrath/ Getty Images

Nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Helsinki und der anschließenden gemeinsamen Pressekonferenz hat Russlands Präsident Wladimir Putin in einem TV-Interview über die Beziehungen zwischen beiden Ländern gesprochen. Dabei wies er erneut Vorwürfe zurück, Russland habe sich in den vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf eingemischt. Das sei "absolut lächerlich", sagte Putin im Gespräch mit Chris Wallace .

Wallace ist Moderator bei Trumps Lieblingssender Fox News und bezeichnete sein Gespräch mit Russlands Präsident als "außergewöhnliches Fernsehereignis". Dem Sender zufolge ist es das erste Mal seit Juni 2017, dass Putin US-Medien ein Interview gab. Das Gespräch wurde demnach am Montag nach dem Gipfel von Putin und Trump in Helsinki aufgezeichnet.

Dabei dementierte Putin auch, Moskau habe "kompromittierendes Material" über Trump oder seine Familie in der Hand. Er wolle Trump nicht beleidigen, und das Folgende könne unhöflich klingen, aber: "Bevor er angekündigt hat, als Präsidentschaftskandidat anzutreten, war er für uns nicht von Interesse", sagte Putin. Trump sei - wie viele andere Amerikaner - reich gewesen, Bauunternehmer und Organisator für Schönheitswettbewerbe. "Aber niemand hat je daran gedacht, dass er eine Präsidentschaftskandidatur erwägt."

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Putin nennt Mueller-Ermittlungen "innenpolitische Spiele der USA"

Wallace versuchte bei dem Interview, Putin die Anklageschrift von US-Sonderermittler Robert Mueller gegen zwölf Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU zu überreichen. Mueller verdächtigt sie, für Hackerangriffe auf Computer der oppositionellen Demokraten vor der Wahl 2016 verantwortlich zu sein. Putin nahm das Papier in dem angespannten Gespräch nicht an und forderte den Moderator auf, es auf einen Beistelltisch zu legen.

Bei Muellers Untersuchung der mutmaßlichen Einmischung Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 handele es sich um "innenpolitische Spiele der USA", sagte Putin. Sie interessierten ihn kein bisschen. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland dürften keine "Geisel" der Mueller-Ermittlungen sein.

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Putin verwies zudem auf ein strafrechtliches Abkommen mit den USA aus dem Jahr 1999: Sollte Mueller einen entsprechenden Antrag stellen, würden russische Ermittler Verdächtige in Russland befragen. Mueller habe aber keinen einzigen solchen Antrag gestellt.

Video zum Treffen von Trump und Putin: "Der Ball liegt jetzt in Ihrem Feld!"

SPIEGEL ONLINE

Putin und Trump hatten sich am Montag in der finnischen Hauptstadt Helsinki zu ihrem ersten bilateralen Gipfel getroffen (die Ereignisse des Tages können Sie hier im Minutenprotokoll nachlesen). Dabei hatten sich die beiden Staatschefs einander angenähert. Der Kreml ließ im Anschluss ausrichten, Putin sei zufrieden mit dem Treffen gewesen. Gerade das lange Gespräch unter vier Augen sei wichtig gewesen. Auch Trump hatte diesen Teil der Begegnung, die über zwei Stunden dauerte, als "sehr, sehr guten Beginn" gelobt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte, das Treffen sei "besser als super" verlaufen.

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Trump trifft Putin: Der Gipfel von Helsinki

Foto: YURI KADOBNOV/ AFP

Deutliche Kritik an Trump kam hingegen aus den USA: Sowohl die oppositionellen Demokraten als auch Vertreter von Trumps Republikanern äußerten sich empört darüber, dass Trump sich gegenüber Putin so unkritisch verhalten habe. Fox News fasste die Kritik an Trumps Auftritt in Helsinki so zusammen: "beschämend, schändlich, verräterisch".

Trump verteidigte sich während seines Rückflugs in die USA gegen die Kritik: Er müsse anerkennen, dass "wir uns nicht ausschließlich auf die Vergangenheit konzentrieren können, um eine hellere Zukunft zu bauen", schrieb er bei Twitter . "Als die beiden weltgrößten Atommächte müssen wir miteinander auskommen."

aar/dpa/Reuters/AP
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