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07. Oktober 2014, 15:19 Uhr

Personenkult in Moskau

Putin, mach den Herkules!

Wladimir Putin hat Geburtstag - und die Fans des russischen Präsidenten gratulieren mit grotesken Gemälden. Eine Ausstellung in Moskau zeigt ihn im Kampf mit der US-Hydra und bärtigen Terroristen.

Der 7. Oktober ist ein besonderer Tag für das politische Moskau. Kreml-Gegner erinnern an diesem Tag an Anna Politkowskaja, die Journalisten wurde 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen, die Drahtzieher des Mordes sind bis heute auf freiem Fuß.

Fans von Kreml-Chef Wladimir Putin dagegen feiern am 7. Oktober den Geburtstag ihres Idols. Putin selbst weilt an seinem 62. Geburtstag fern der russischen Hauptstadt. Der Präsident ist zur Erholung in die sibirische Taiga geflogen.

Doch auch in seiner Abwesenheit wird dem Putin-Kult fleißig gehuldigt. Am Vorabend des Geburtstages präsentierten Anhänger des Machthabers Gemälde, die die vermeintlichen Erfolge des Präsidenten verherrlichen sollen. Die Bilder zeigen Putin stilisiert als antiken Helden. Auf einem der Werke erwürgt er einen bärtigen Kämpfer ("Sieg im Kampf gegen den Terror").

Auf einem anderen kämpft er mit dem Schwert gegen eine Hydra, ein Kopf des Ungeheuers mit amerikanischer Fahne liegt bereits abgeschlagen zu Füßen des Helden ("Putin bekämpft die westlichen Sanktionen"). So grotesk die Bilder auf den ersten Blick wirken mögen: Von den üblichen Propaganda-Veröffentlichungen des Kreml (Putin taucht! Putin fliegt! Putin mit Tiger!) sind sie gar nicht allzu weit entfernt.

Als Organisator der Ausstellung tritt ein junger Mann namens Michail Antonow auf. Die Motive seien an die griechische Mythologie angelehnt, genauer gesagt an die "Zwölf Heldentaten des Herkules". Antonow ist Doktorand und Mitglied der Kreml-Partei "Einiges Russland". Im Internet firmiert er als Administrator einer Putin-Facebook-Fanseite.

Mal cool, mal zärtlich verspielt

Sie hat inzwischen mehr als 266.000 Likes. Die Community sei sehr aktiv, sagt Antonow. Manche Facebook-Fans schickten ihm ihre Putin-Kollagen, andere "nehmen sogar Musik auf". So seien auch die ausgestellten Werke entstanden, sagt Antonow. Zugänglich war die Ausstellung bislang allerdings nur einen Abend lang, und nur für eine Hand voll Betrachter, in einer Hinterhof-Galerie in der Nähe des russischen Außenministeriums.

Vor größerem Publikum dagegen fand am Montagabend die Präsentation einer neuen Putin-Kollektion "Herbst und Winter" statt, im legendären Kaufhaus GUM am Roten Platz. Zwei Jungdesigner stellten T-Shirts und Kapuzenpullover mit dem Konterfei des Präsidenten vor.

Sie zeigen Putin mit Kapitänsmütze oder in Eishockey-Kluft, mal cool mit Sonnenbrille, mal zärtlich verspielt mit einem Welpen. "Ich lese eure Gedanken", steht unter einem Porträt des Präsidenten.

Die Kollektion sei den "Siegen des Präsidenten in der außenpolitischen Arena" gewidmet, sagen die Designer Iwan Jerschow und Anna Trifonowa. Bereits im Sommer hatte das Duo "patriotische T-Shirts" auf den Markt gebracht. Die erste Kollektion war innerhalb weniger Tage vergriffen.

beb

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