Studie über Russland Daheim verhätschelt, woanders verachtet

Die Ukrainekrise lädiert offenbar das Image Russlands: Weltweit sinkt laut einer Studie das Vertrauen in das Land von Staatschef Putin. Es gibt aber auch Ausnahmen: zwei Entwicklungsländer in Afrika und Südostasien.

Russlands Staatschef Putin: Beliebt in wenigen Entwicklungsländern
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Russlands Staatschef Putin: Beliebt in wenigen Entwicklungsländern


Außerhalb der eigenen Staatsgrenzen ist Russlands Staatspräsident Wladimir Putin so unbeliebt wie wohl kaum je zuvor: Laut einer Studie des renommierten Pew Research Center haben nur etwa 30 Prozent der Menschen in anderen Staaten ein positives Bild von Russland. Nur 24 Prozent vertrauen darauf, dass Putin sich in weltpolitischen Fragen richtig verhält.

Besonders schlecht ist das Bild von Russland demnach in Ländern des ehemaligen Ostblocks, von denen sich viele seit Ausbruch der Ukrainekrise von Moskau bedroht fühlen: In Polen haben nur 15 Prozent der Befragten ein positives Russlandbild - dieser Wert liegt sogar noch deutlich unter dem in der Ukraine (21 Prozent), wo vom Kreml unterstützte Separatisten seit vielen Monaten im Donbass gegen Regierungstruppen kämpfen.

Bemerkenswert ist, dass Russland in Jordanien ebenso unbeliebt ist wie in Polen - jeweils 80 Prozent der Bevölkerung haben eine schlechte Meinung über das Land. Der Grund für diese Ablehnung im Nahen Osten ist den Forschern zufolge vermutlich Putins Unterstützung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Der Bürgerkrieg in dessen zerrüttetem Staat hat Hunderttausende Menschen zur Flucht nach Jordanien bewegt. Ausgesprochen negativ ist das Russlandbild auch in Israel (74 Prozent), Japan (73 Prozent) - und Deutschland (70 Prozent).

Die Länder, in denen eine Mehrheit der Bevölkerung ein positives Bild von Putins Russland hat, sind hingegen überschaubar: In Vietnam sind es der Studie zufolge drei Viertel der Einwohner, in Ghana 56 Prozent. In China hat immerhin jeder Zweite angegeben, gut über Russland zu denken. In Südamerika und Afrika haben viele Menschen erklärt, keine Meinung zu Russland zu haben - unter anderem in Äthiopien, Pakistan, Tansania und Argentinien.

Beim Blick auf die Entwicklung der weltweiten Meinung über Russland machen die Forscher vor allem eine Entwicklung aus: Russen und US-Amerikaner schätzen sich immer weniger. 2011 hatte noch jeweils etwa die Hälfte der Bevölkerung ein positives Bild vom anderen Land, 2015 liegt dieser Wert bei lediglich 22 Prozent in Russland, beziehungsweise 15 Prozent in den USA.

Auch in Deutschland ist die Meinung über Putins Staat deutlich schlechter geworden, die Zustimmung sank von 50 Prozent im Jahr 2010 auf jetzt nun noch 27 Prozent. Allerdings deutet sich eine leichte Kehrtwende an: Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei lediglich 19 Prozent.

Noch unbeliebter als Russland ist dessen Staatschef: Zwar vertrauen etwa in Vietnam 70 Prozent der Menschen Wladimir Putin, doch in vielen anderen Ländern ist der Kremlchef äußerst unbeliebt: In der Ukraine haben zehn Prozent einen positiven Eindruck von ihm, in Pakistan sind es elf und in Polen sogar nur neun Prozent. Besonders unbeliebt ist Putin in Spanien: Dort denken 92 Prozent der Befragten schlecht über ihn.


Datenbasis der Studie: Für die Studie des Pew Research Centers haben Forscher in 40 Staaten insgesamt 45.435 Antworten von Untersuchungsteilnehmern ausgewertet. Die Befragungen fanden zwischen dem 25. März und dem 27. Mai 2015 statt.

mxw



insgesamt 302 Beiträge
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Seite 1
niktim 06.08.2015
1. Fragwürdig
Solche Gutachten und Umfragen haben wenig Aussagekraft über die Realität. Sie werden immer aufgeberfreundlich erstellt. Hinzu kommt, dass die ständige Hetze gegen Russland und Putin bei vielen Menschen Früchte trägt. Schon Orwell hat gesagt, dass die Lüge nur oft genug wiederholt werden muss, dann wird sie zur Wahrheit! Im eigenen Land Russland ist das Ansehen von Putin auf sehr hohe Werte gewachsen. Warum wohl?
jens.kramer 06.08.2015
2. Schlechtes Political Marketing
Was die Russen einfach nicht hinbekommen, ist gutes Political Marketing. Die Amerikaner sind da viel weiter, die vermarkten sich geschickt als die guten, freiheitsliebenden Demokraten. Wie es hinter den Kulissen aussieht, wird von einer genialen Marketingmaschinerie übertüncht. Putin muss noch viel lernen....
abc-xyz 06.08.2015
3. Ohne Propaganda und Staatsgewalt...
... wäre auch Putin auch intern längst nicht so beliebt wie von seinen gleichgeschalteten Medien propagiert. Russland erodiert nach allen Kritierien. Der Rubel befindet sich im freien Fall, Gazprom hat nur noch einen Schattenwert, verglichen wo es vor ein paar Jahren stand, Lebensmittelpreise explodieren, die Abwanderung hat einen Rekordwert seit dem Zerfall der Sowjetunion erreicht und es wird schlimmer..
ichbinsnuuur 06.08.2015
4. Wie jetzt?
Positives Russland-Bild in Deutschland (Grafik, blaue Linie): 35% "die Zustimmung sank von 50 Prozent im Jahr 2010 auf jetzt nun noch 27 Prozent" (der erklärende Text für diejenigen, die keine Grafiken lesen können – wie SPON) Aber dafür vertrauen 23% der Deutschen Putin! Das war mal wieder ein Artikel der unter die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht" fällt.
axel1958 06.08.2015
5. Ein amerikanisches....
Meinungsforschungsinstitut stellt also fest das Putins Russland immer unbeliebter wird...:-):-)da erübrigt sich jeder weitere Kommentar......
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