G20-Gipfel in Australien Putin und Merkel wollen unter vier Augen reden

Am anderen Ende der Welt wollen Wladimir Putin und Angela Merkel über die Ukraine-Krise beraten. Die beiden Politiker planen ein Treffen am Rande des G20-Gipfels in Brisbane. Ein wichtiges Thema will der Kreml-Chef aber aussparen.

Merkel und Putin (Archivbild): "Wir haben ein Treffen geplant"
AP/ RIA-Novosti/ Presidential Press Service

Merkel und Putin (Archivbild): "Wir haben ein Treffen geplant"


Brisbane - Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer treffen an diesem Wochenende im australischen Brisbane zusammen. Wladimir Putin und Angela Merkel wollen den G20-Gipfel für ein Gespräch unter vier Augen nutzen.

"Wir haben ein Treffen geplant", sagte Putin in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Tass. Zuvor hatte Merkel auf dem Weg nach Australien gesagt, dass sie einen Termin mit Putin nicht ausschließe. "Es gibt durchaus die Chance dafür", sagte die Bundeskanzlerin während eines Besuchs in Neuseeland.

Putin sagte, er gehe nicht davon aus, dass seine persönliche Beziehung zu Merkel unter dem Ukraine-Konflikt gelitten habe. "Wir lassen uns von Interessen leiten und nicht von Sympathie oder Antipathie", sagte der Kreml-Chef. Er verstehe Merkel gut. "Auch sie lässt sich von Interessen leiten, wie jede Regierung. Ich sehe deshalb keine wesentliche Veränderung in unserem Verhältnis", sagte der russische Präsident.

Am Dienstag will Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier nach Moskau reisen, um mit der russischen Regierung über die Ukraine-Krise zu beraten. Zuvor sei ein Zwischenstopp in Kiew geplant, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Putin will nicht um Ende der Sanktionen bitten

Putin kritisierte erneut die westlichen Sanktionen gegen Russland in der Ukraine-Krise. "Das widerspricht dem Prinzip der G20, der WTO und dem Völkerrecht", sagte er. Die Strafmaßnahmen würden aber wie ein Bumerang auch die EU und die USA treffen. Er werde in Brisbane nicht um eine Aufhebung der Sanktionen bitten. "Das wäre vergeblich."

Die Sanktionen und die fallenden Ölpreise hinterließen zwar ihre Spuren in der russischen Wirtschaft. "Aber unsere Reserven sind groß genug und stellen sicher, dass wir unsere sozialen Verpflichtungen einhalten können", sagte Putin

Russlands Präsident warf der Führung in Washington vor, Beschlüsse der G20 immer wieder zu ignorieren. So verhinderten die USA seit Jahren eine Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF). "Aber das bedeutet nicht, dass G20 ein überflüssiges Format ist", sagte Putin.

syd/dpa/Reuters

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five-oceans-buccaneer, 14.11.2014
1. In 25 Jahren
hat sich West und Ost angenaehert, es wurde abgeruestet auf allen Seiten, nur Putin hat heimlich aufgeruestet, die Krim sich unter den Nagerl gerissen, in Ostukraine interveniert - und jetzt? Das ganze Vertruen zu Russland ist zerstoert auf lange, lange Zeit. Wer leidet darunter? Die russische Bevoelkerung! Aber das ist einem Putin egal. Typischer Sowietbonze. Willkommmen im Kalten Krieg Nr. 2. Schuld an all dem ist einzi und alleine Putin. Dies alles waere nicht noetig gewesen. Auf jeden Fall wird der Westen bis auf weiteres keine leichtfertigen Investitionen in Russland taetigen.
ulrich-lr. 14.11.2014
2. Ja, und?
Merkel will mit Putin reden. Was soll das bringen? Sie hat null Vollmachten. Natürlich ist es angenehmer, in einem netten Salon mit Putin zu plaudern, als mit den tatsächlichen Akteuren wie z. B. den Regierungschefs der neuen Volksrepubliken. Da wird wieder über diejenigen geredet, *mit* denen man reden müsste. Alter Trick, wenn man einen Konflikt nicht wirklich beilegen möchte. Ich glaube, das macht Merkel ganz bewusst. Sie weiß genau, dass sein Einfluss eher begrenzt ist, weil die Rebellenrepubliken nicht auf ihn hören. PS. Die Prognose für 2015 liegt bei 0,1% Wachstum für D. Auch das lässt sich durch neue Sanktionen noch unterbieten.
seneca55 14.11.2014
3. Es gibt noch Chancen auf Vernunft in der Politik
Zum 1. Mal lässt SPON den Putin ohne Hähme reden und sein Verhältnis zu Merkel darstellen. Er klingt sehr vernünftig wie ein ordentlicher Staatsmann. Russland reagiert anscheinend sehr besonnen in der Ukrainenkrise im Gegensatz zum Westen, der Russland z. G.der Ukraine ausgestoßen hat, wie Gorbatschow am letzten WE ausführte. Merkel weiß, dass sie jetzt für die Ukraine finanziell die nächsten Jahre bluten muss und eine Konjunktur ohne Russland-Export nicht gegeben ist.
freestyler007_xxx 14.11.2014
4. dem Nr.2
Man muss grenzenlos naiv sein oder so tun um zu glauben diese Marionetten - ''Republiken'' könnten ohne Russische bewaffnete Unterstützung eine Woche überleben. Die produzieren nichts, weder Waffen noch Munition aber an denen scheint nicht zu mangeln. Greifen ukrainische Armee ständig an. Worüber sollte man mit den reden? Abzug nach Russland von wo sie gekommen sind?
carlos4701 14.11.2014
5. Großrussland
Russland meint anscheinend, es hat ein Recht auf abhängige Vasallenstaaten um sich herum, so wie zu Soviet-Zeiten. Mangels kultureller und wirtschaftlicher Anziehungskraft wird miltärisch nachgeholfen. Die Befriedigung des nationalistischen Rausches und Großmacht-Strebens ist denen wohl wichtiger als eine friedliche Entwicklung des Landes. Ich fürchte, da wird erst ein Umdenken einsetzen, wenn mit "Großrussland" das selbe passiert ist, wie mit der Soviet-Union.
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