SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. September 2015, 14:35 Uhr

Nachspiel einer Verkostung

Putin, Berlusconi und der Krim-Wein

"Kann man trinken?": Der Besuch von Silvio Berlusconi und Wladimir Putin auf der Krim hat ein Nachspiel. Dass die beiden einen mehr als 200 Jahre alten Wein probiert haben sollen, ruft die ukrainischen Behörden auf den Plan.

Silvio Berlusconi und Wladimir Putin sind alte Freunde. Sie spazierten schon gemeinsam durch die Wälder von Sotschi, speisten bei minus 20 Grad in dicken Fellmützen vor den Toren Moskaus, flanierten in kurzen Hemden an der sardischen Küste entlang.

Vergangene Woche besuchte Italiens früherer Premier wieder einmal Russlands Präsidenten - und gemeinsam fuhren sie auch auf die annektierte Halbinsel Krim. Dieser buddy trip hat jetzt ein Nachspiel. Womöglich droht Berlusconi gar eine jahrelang Einreisesperre in die Ukraine für seinen Krimbesuch - für entsprechende Berichte gibt es aber bislang keine Bestätigung. Und dann ist da noch die Wein-Affäre.

Denn der Ausflug führte auch auf das Weingut Massandra nahe Jalta, wo besonders alte, kostbare Weine und Sherrys lagern. Dass Putin und sein italienischer Gast dort offenbar eine besonders kostbare Flasche Wein öffneten, ruft nun ukrainische Ermittler auf den Plan.

Das Weingut gehörte bis zur Annexion der Krim durch Putins Russland nämlich dem ukrainischen Staat - und Kiew betrachtet die kostbaren Weine als Staatseigentum. Die neue Chefin des Weinguts soll Putin und Berlusconi bei der Tour eine Flasche aus dem Jahr 1775 kredenzt haben - deshalb wirft ihr ein ukrainischer Staatsanwalt nun Veruntreuung vor.

"Es ist eine von fünf Flaschen, die nicht nur zum Erbe Massandras und der Krim gehören, sondern auch zu dem der Ukraine", sagte der stellvertretende Staatsanwalt für die Krim, Nazar Kholodnytsky, der Agentur AP.

Er teilte außerdem mit, dass Janina Pawlenko, die Weingut-Chefin, ohnehin bereits wegen Verrats gesucht werde. "Jetzt hat sie dem Hochverrat ein weiteres Verbrechen hinzugefügt", erklärte Kholodnytsky - allerdings eher fürs Protokoll, denn auf die annektierte Krim hat der Ukrainer keinen Zugriff mehr.

Was aber ist genau passiert am vergangenen Freitag in der Weinkellerei? Auf Bildern des russischen Fernsehens ist zu sehen, wie Putin und Berlusconi die verstaubten Flaschen inspizieren. Der Italiener zeigt dann auf eine bestimmte Flasche und man hört ihn fragen: "Is it possible to drink?", worauf Direktorin Pawlenko "Yes" antwortet. Davon, dass dann tatsächlich eine Flasche getrunken wurde, ist auf den Bildern jedoch nichts zu sehen.

AP fragte direkt bei Pawlenko nach. Die Weingut-Chefin sagte, sie habe ihren Gästen alte Weine gezeigt. Auf die Frage, ob dann auch Wein getrunken wurde, schwieg sie.

fab/AP

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung