Nachspiel einer Verkostung Putin, Berlusconi und der Krim-Wein

"Kann man trinken?": Der Besuch von Silvio Berlusconi und Wladimir Putin auf der Krim hat ein Nachspiel. Dass die beiden einen mehr als 200 Jahre alten Wein probiert haben sollen, ruft die ukrainischen Behörden auf den Plan.

Berlusconi auf dem Weingut Massandra (am 11. September): "Kann man trinken?"
AP

Berlusconi auf dem Weingut Massandra (am 11. September): "Kann man trinken?"


Silvio Berlusconi und Wladimir Putin sind alte Freunde. Sie spazierten schon gemeinsam durch die Wälder von Sotschi, speisten bei minus 20 Grad in dicken Fellmützen vor den Toren Moskaus, flanierten in kurzen Hemden an der sardischen Küste entlang.

Vergangene Woche besuchte Italiens früherer Premier wieder einmal Russlands Präsidenten - und gemeinsam fuhren sie auch auf die annektierte Halbinsel Krim. Dieser buddy trip hat jetzt ein Nachspiel. Womöglich droht Berlusconi gar eine jahrelang Einreisesperre in die Ukraine für seinen Krimbesuch - für entsprechende Berichte gibt es aber bislang keine Bestätigung. Und dann ist da noch die Wein-Affäre.

Denn der Ausflug führte auch auf das Weingut Massandra nahe Jalta, wo besonders alte, kostbare Weine und Sherrys lagern. Dass Putin und sein italienischer Gast dort offenbar eine besonders kostbare Flasche Wein öffneten, ruft nun ukrainische Ermittler auf den Plan.

Das Weingut gehörte bis zur Annexion der Krim durch Putins Russland nämlich dem ukrainischen Staat - und Kiew betrachtet die kostbaren Weine als Staatseigentum. Die neue Chefin des Weinguts soll Putin und Berlusconi bei der Tour eine Flasche aus dem Jahr 1775 kredenzt haben - deshalb wirft ihr ein ukrainischer Staatsanwalt nun Veruntreuung vor.

Putin bei der Tour durch die Weinkellerei Massandra
AP

Putin bei der Tour durch die Weinkellerei Massandra

"Es ist eine von fünf Flaschen, die nicht nur zum Erbe Massandras und der Krim gehören, sondern auch zu dem der Ukraine", sagte der stellvertretende Staatsanwalt für die Krim, Nazar Kholodnytsky, der Agentur AP.

Er teilte außerdem mit, dass Janina Pawlenko, die Weingut-Chefin, ohnehin bereits wegen Verrats gesucht werde. "Jetzt hat sie dem Hochverrat ein weiteres Verbrechen hinzugefügt", erklärte Kholodnytsky - allerdings eher fürs Protokoll, denn auf die annektierte Krim hat der Ukrainer keinen Zugriff mehr.

Was aber ist genau passiert am vergangenen Freitag in der Weinkellerei? Auf Bildern des russischen Fernsehens ist zu sehen, wie Putin und Berlusconi die verstaubten Flaschen inspizieren. Der Italiener zeigt dann auf eine bestimmte Flasche und man hört ihn fragen: "Is it possible to drink?", worauf Direktorin Pawlenko "Yes" antwortet. Davon, dass dann tatsächlich eine Flasche getrunken wurde, ist auf den Bildern jedoch nichts zu sehen.

AP fragte direkt bei Pawlenko nach. Die Weingut-Chefin sagte, sie habe ihren Gästen alte Weine gezeigt. Auf die Frage, ob dann auch Wein getrunken wurde, schwieg sie.

fab/AP



insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
beckerschorsch 19.09.2015
1. 200 Jahre
Wenn der Wein 200 Jahre alt war, gehört er naturlich den Russen, den damals war die Krim dem Zarenreich zugehörig...also läppisches Geschwatz seitens der Ukraine!!
Art. 5 19.09.2015
2.
Die Flasche Wein hat immerhin stolze 82.000 Euro gekostet (Quelle: TheGuardian). Das gönnt sich selbst Berlusconi nicht alle Tage. Andererseits, Wein ist zum Trinken da. :-) Ich frag' mich nur, ob er unbegrenzt haltbar ist oder vielleicht doch ab über 200 Jahren einmal schlecht wird. Vielleicht haben die beiden ja Bauchschmerzen davon bekommen, das wird nur geheim gehalten.
BarisP 19.09.2015
3.
...dass die Krim bis 1963 russisch war und die alten Weine entsprechend auch russischer Besitz sein kann, verschweigt der Artikel natürlich...
jbkdge14.god 19.09.2015
4.
200 Jahre alter Wein auf der Krim gehört der Ukraine? Ich würde mal sagen, der gehört der Krim ... die damals russisch war. Leute, haltet die Bälle flach. Es ist nur Wein.
Bueckstueck 19.09.2015
5.
Zitat von beckerschorschWenn der Wein 200 Jahre alt war, gehört er naturlich den Russen, den damals war die Krim dem Zarenreich zugehörig...also läppisches Geschwatz seitens der Ukraine!!
Läppisches Geschwätz. Das Zarenreich gibts seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. Und wenn die Ukraine nach dem Landraub gemäß den Russen keinen Anspruch mehr auf die Krim hat, dann hat der Russe auch keinen Anspruch auf Waren die der Ukraine de facto gehörte, nachdem die Sowjetunion die Krim der Ukraine überlassen hat. Oder weisst du etwa ganz genau, dass dieser Wein nicht aus Trauben gemacht wurde, die auf ukrainischem Boden gewachsen sind? Nur weil die Flasche dort liegt, muss sie nicht dort abgefüllt worden sein...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.