WM-Gastgeber Die falschen Russland-Liebhaber

In einem hunderttausendfach angeklickten Video schwärmen ein junger Brite und sein Vater über die Vorzüge Russlands. Doch so unvoreingenommen urteilen die beiden offenbar nicht über den WM-Gastgeber.
Von Maxim Kireev
Steven Ogden im Video

Steven Ogden im Video

Foto: youtube

Am Sonntag endet die WM in Russland - und schon jetzt fragen sich viele Menschen im Gastgeberland, welchen Eindruck sie bei den Hunderttausenden Gästen aus aller Welt hinterlassen haben. Denn Russen legen sehr viel Wert darauf, was Ausländer, internationale Medien, Prominente oder Politiker über das Land sagen.

Wie Balsam auf die vermeintlich so von ausländischer Kritik geschundene russische Seele wirkt deshalb ein Clip, den zwei angebliche WM-Gäste aus Großbritannien, Vater und Sohn, aufgezeichnet und online gestellt haben. Darin schwärmen Theo und Stephen Ogden von Russland, der Freundlichkeit der Russen, der Küche.

Überhaupt sei Russland viel besser, als von britischen Medien dargestellt: Man müsse sich als Brite nicht vor russischen Hooligans fürchten. Nur die Billig-Airline Pobeda fiel den beiden negativ auf - weil Passagiere dort extra zahlen müssen, wenn sie nebeneinander sitzen wollen.

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Der Clip, veröffentlicht im Facebook-Kanal des 17-jährigen Theo Ogden, hat mittlerweile über 300.000 Klicks. Die Version mit russischen Untertiteln wurde über eine Million mal angeschaut.

Nicht nur die Kremlmedien griffen die Geschichte auf, auch unabhängige Journalisten. Selbst manch Oppositioneller postete den Clips in seinem Profil. Zu schön schien die Geschichte eines jungen Youtubers aus England und seines Vaters, die überrascht und überwältigt waren von dem "echten Russland". Auf Twitter bedankte sich sogar das russische Außenministerium.

Aber: Journalisten fanden später heraus, dass Theos Vater Steven nicht nur Jahre lang in Russland arbeitete. Auch heute ist Stephen Ogden für den Gasförderer "Volga Gas" tätig, der 2005 vom auf Russland spezialisierten Investmentfonds Baring Vostok und nicht näher genannten "russischen Unternehmern" gegründet wurde.

Was die beiden im Video ebenfalls verschweigen: Auch Theos Mutter und seine Ehefrau traf Stephen in Russland. So überraschend dürfte das Land für die Briten also gar nicht gewesen sein. Zumal er sich vor über zehn Jahren noch in einem Artikel in den "Manchester Evening News"  als "Unterstützer" von Wladimir Putin bezeichnete.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.