Inhaftierter Oleg Senzow "Schon vier Jahre im Gefängnis - seine Kinder warten auf ihn"

Der Regisseur und Aktivist Oleg Senzow sitzt in Sibirien wegen "Terrorverdachts" in Haft, sein Hungerstreik dauert an. Zu seinem Geburtstag wandte sich seine Mutter nun an Wladimir Putin.
Von Maxim Kireev
Oleg Senzow

Oleg Senzow

Foto: Sergey Pivovarov/ REUTERS

Während viele Russen derzeit noch dabei sind, die Kneipen ihrer Stadt nach freien Plätzen für das Finale am Sonntag abzutelefonieren, entfaltet sich weit ab der Spielstätten in Sibirien ein Drama.

Seit mittlerweile zwei Monaten befindet sich der ukrainische Regisseur und Aktivist Oleg Senzow im Hungerstreik, weil er die Freilasssung von politischen Gefangenen aus der Ukraine fordert, die in russischen Gefängnissen sitzen. Auch er wurde in Russland wegen "Terrorverdachts" zu einer Gefängnisstrafe von 20 Jahren verurteilt und verbüßt sie in der sibirischen Kleinstadt Labytnangi.

Nun hat sich seine Mutter am Tag seines Geburstags mit einem eindringlichen Appell und einem Gnadengesuch an Präsident Wladimir Putin gewandt. "Alle Mütter lieben ihre Kinder und wünschen ihnen Freiheit und Glück", schreibt Ljudmila Senzowa. "Ich möchte sie nicht von der Unschuld meines Sohnes überzeugen, obwohl ich daran glaube. Ich sage nur, dass er niemanden umgebracht hat. Er hat schon vier Jahre im Gefängnis verbracht. Seine Kinder warten auf ihn zu Hause, der jüngste Sohn leidet an Autismus. Es geht der Familie schlecht ohne ihn."

Senzow selbst hatte bisher die Möglichkeit, Wladimir Putin selbst um Gnade zu bitten, ausgeschlossen. Russlands Behörden lehnen ihrerseits bisher die Möglichkeit eines Austauschs Senzows gegen russische Gefangene in der Ukraine ab, weil der von der Krim stammende Senzow nach der Annexion der Halbinsel aus russischer Sicht ein Staatsbürger der Russischen Föderation ist.

Über den physischen Zustand Senzows gibt es bisher nur unzureichende Angaben. Er sei jedoch bereit, bis zum Tode zu hungern, erklärte sein Anwalt Dimitrij Dinze. Um das zu verhindern, führen ihm die Gefängnisärzte regelmäßig Nährflüssigkeit zu.

Die russische Polizei versucht unterdessen, jegliche Aktionen mit Bezug zu Senzow zu verhindern. Immer wieder wurden deshalb in den letzten Tagn Aktivisten festgenommen, die Flugzettel verteilt haben oder für die Freilassung Senzows demonstriert haben.

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