Brasilien Proteste und Randale in WM-Stadt São Paulo

Tausende Menschen sind in Brasilien auf die Straße gegangen. Sie protestieren gegen die Milliarden-Ausgaben für die WM. In São Paulo setzten Polizisten Tränengas und Gummigeschosse gegen maskierte Randalierer ein.
Brasilien: Proteste und Randale in WM-Stadt São Paulo

Brasilien: Proteste und Randale in WM-Stadt São Paulo

Foto: Victor Moriyama/ Getty Images

São Paulo/Rio de Janeiro - Vier Wochen vor Beginn der Fußball-WM in Brasilien ist es in São Paulo zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Maskierte Demonstranten warfen Gegenstände auf Polizisten und zündeten auf den Straßen Müll und Reifen an.

Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Randalierer hinterließen nicht nur brennende Barrikaden, sondern auch zerschlagene Scheiben. Im Autohaus eines offiziellen Sponsorpartners des Weltverbandes Fifa beschmierten sie Fahrzeuge, in zwei Bank-Vorhallen zerschlugen sie Scheiben. Über 20 Menschen wurden vorübergehend festgenommen, die laut Polizei unter anderem Molotowcocktails und Hammer bei sich trugen.

Tausende Menschen, darunter auch streikende Lehrer, hatten sich auf den Straßen São Paulos versammelt. Nach Angaben der Behörden beteiligten sich 6000 Menschen. Es kam zu massiven Verkehrsbehinderungen. Zudem beteiligten sich Vertreter von Obdachlosenverbänden und Gewerkschaften an dem sogenannten Internationalen Tag des Kampfes gegen die WM.

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Brasilien: Wütender Protest gegen die Fußball-WM

Foto: Victor Moriyama/ Getty Images

Die Demonstranten werfen der Regierung vor, viel Geld in Prestigeprojekte wie die WM zu stecken und notwendige Ausgaben für Bildung und Gesundheit sowie die Infrastruktur zu vernachlässigen. Viele Teilnehmer trugen Transparente mit der Aufschrift "Fifa geh heim" oder Plakate, auf denen in Anspielung auf die neuen und modernen WM-Stadien die Forderung stand: "Schulen und Hospitäler nach Fifa-Standard". Protestaktionen wurden auch aus den WM-Spielorten Belo Horizonte, Fortaleza und Brasília gemeldet.

Etwa 2000 Menschen blockierten im Osten von São Paulo zeitweise die Zufahrt zum Stadion Arena Corinthians, wo die WM am 12. Juni eröffnet wird. In dem Viertel besetzten obdachlose Familien schon Anfang des Monats unter dem Motto "Copa do Povo" (WM des Volkes) ein Fläche, die etwa vier Kilometer vom neuen Stadion entfernt liegt. "Wir wollen den Widerspruch aufzeigen, der darin liegt, dass Milliarden für dieses Ereignis (WM) ausgegeben werden, während das Volk selbst Wohnungen braucht", sagte Maria das Dores Cerqueira, eine der Organisatorinnen.

8,7 Milliarden Euro investiert

Nach Meinung von Brasiliens Regierung richten sich die Protestaktionen nicht gegen die in vier Wochen beginnende Fußball-WM. Die Demonstranten nutzten lediglich die Gelegenheit, "um Forderungen zu präsentieren, die legitim sind, aber wenig mit der WM zu tun haben", sagte Präsidialamtsminister Gilberto Carvalho.

Die Proteste schreckten die Regierung nicht, sagte er. "Was uns besorgt ist, wenn antidemokratische Methoden, wenn Gewalt angewendet wird, sei es auf Seiten der Polizei oder auf Seiten der Demonstranten." Ähnlich äußerte sich auch Sportminister Aldo Rebelo. Dies seien keine Proteste gegen die WM, sagte er. Die Verfassung schütze ausdrücklich friedliche Demonstrationen. Was nicht toleriert werden könne, seien gewaltsame Aktionen.

Nach Regierungsangaben werden für die WM insgesamt 26,5 Milliarden Reas (8,7 Milliarden Euro) investiert. Davon stammen rund 84 Prozent aus öffentlichen Mitteln. Über ein Drittel des Geldes floss in Projekte für den öffentlichen Nahverkehr, rund 28 Prozent wurden für die WM-Stadien ausgegeben und 26,5 Prozent für Flughäfen.

Polizeistreik in Recife beendet

In der WM-Stadt Recife im nordöstlichen Bundesstaat Pernambuco entspannte sich die Lage. Dort spielt die deutsche Mannschaft am 26. Juni gegen die USA. In Recife hatte ein Streik von Polizei und Feuerwehr für Unruhe und Plünderungen gesorgt. Die Beamten beendeten ihren Ausstand und wollte noch in der Nacht zum Freitag wieder an die Arbeit gehen.

Der Fußballverband CBF hatte zuvor wegen der angespannten Sicherheitslage eine am Wochenende im WM-Stadion Arena Pernambuco geplante Zweitliga-Partie verschoben.

Die WM wird vom 12. Juni bis 13. Juli in zwölf brasilianischen Städten ausgetragen. Im vergangenen Jahr waren zum Confederations Cup bis zu eine Million Menschen aus Protest gegen Korruption, Misswirtschaft und die Milliarden-Ausgaben für die WM auf die Straße gegangen.

heb/dpa/Reuters
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