Infografik der Woche Wo die Weltbürger wohnen

Immer mehr Menschen fühlen sich eher als Weltbürger und nicht als Einwohner ihres Heimatlandes. Das zeigt eine globale Studie. In Deutschland allerdings sieht es ganz anders aus.

Eigentlich sind es erfreuliche Nachrichten, die das Umfrageinstitut Globescan jetzt veröffentlicht hat: Erstmals seit Beginn seiner internationalen Erhebungen vor 15 Jahren sehen sich über die Hälfte der Befragten eher als Weltbürger denn als Bürger ihres jeweiligen Landes .

Allerdings zeichnet sich ein Bruch zwischen Schwellenländern und Industriestaaten ab. Vor allem die Bürger Deutschlands und Russlands scheinen der Idee des Weltbürgertums wenig abgewinnen zu können, wie die Infografik der Woche von Statista  und SPIEGEL ONLINE zeigt.

Zwischen Dezember 2015 und April 2016 befragte Globescan insgesamt 20.000 Menschen in 18 Ländern im Auftrag der BBC. Insgesamt sahen sich 51 Prozent als Weltbürger, während sich 43 Prozent eher auf ihre nationale Identität beriefen. Vor allem in Schwellenländern wie China (71 Prozent) und Indien (67) fühlen sich demnach besonders viele Menschen als Weltbürger. Auch in Nigeria (73) und Peru (70) sind die Menschen offenbar mondäner Gesinnung.

In vielen Industriestaaten dagegen fühlen sich mehr Befragte in ihren Nationalstaaten verwurzelt - und dem Kosmopolitismus gegenüber zunehmend skeptisch eingestellt. Noch 2009 waren beide Ländergruppen etwa gleichauf: Immerhin 48 Prozent der Befragten in OECD-Ländern sahen sich als Weltbürger, in den anderen Staaten waren es 45 Prozent. Während die Zustimmung dort seither auf 56 Prozent stieg, sank sie in den besser gestellten Volkswirtschaften auf 42 Prozent.

In Europa stechen zwei Länder hervor: Zunächst Spanien, dessen Bürger sich trotz des OECD-Trends zu 45 Prozent eindeutig als Weltbürger sehen. Ganz anders in Deutschland. Der Prozentsatz der Befragten, die sich eindeutig oder wenigstens überwiegend als Weltbürger fühlen, sank seit 2009 um 13 Prozentpunkte auf derzeit 30 Prozent ab. Nur 4 Prozent sehen sich eindeutig als Bürger der Welt. Noch weniger sind es lediglich in Russland.

Obwohl die Deutschen also als Exportmeister entschieden von der Globalisierung profitieren, sehen sie sich vornehmlich und zunehmend wieder vor allem als Bürger ihres Staates. Warum das so ist, diese Frage beantwortet die Globescan-Studie nicht. Jedoch passt ihr Ergebnis zum Erfolg rechtspopulistischer Parteien bei den jüngsten Landtagswahlen, wobei die AfD-Umfragewerte zuletzt wieder in den einstelligen Bereich fielen.

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loe/che
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