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03. März 2016, 19:11 Uhr

Schäuble zum Brexit

"Wir würden weinen"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat in London Wahlkampf für die Brexit-Gegner gemacht. Er warnte die britische Wirtschaft vor Verlusten bei einem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt.

"Wir wären froh, wenn das britische Volk entscheiden würde, die EU nicht zu verlassen." Mit diesen Worten hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einem Besuch in London für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ausgesprochen. Ein Brexit "wäre für die EU als Ganzes sehr gefährlich".

Die Briten stimmen am 23. Juni über den Verbleib in der EU ab. Der Ausgang der Abstimmung ist offen, selbst innerhalb der Regierung von Premierminister David Cameron gehen die Meinungen auseinander. Auf die Frage, wie Deutschland auf den möglichen Brexit reagieren würde, sagte Schäuble: "Wir würden weinen."

Schäuble argumentierte, eine geschwächte EU könne nicht im Interesse Londons sein. Die EU benötige Großbritannien auch als Reformkraft, die für freie Märkte und freien Handel eintrete. "Großbritannien braucht die EU, und die EU braucht Großbritannien", sagte Schäuble. Selbst wenn London aus der Gemeinschaft ausscheiden sollte, müsste es in der Zusammenarbeit und im Handel viele EU-Regeln befolgen. "Es macht einen großen Unterschied, ob man Teil des Binnenmarktes ist oder nicht", so der CDU-Politiker.

Der EU-Gipfel vor zwei Wochen hatte Cameron mehrere Reformen zugesichert, sollte Großbritannien in der EU bleiben. So erhielte London die Möglichkeit, neu nach Großbritannien kommenden EU-Ausländern vier Jahre lang die Sozialleistungen zu kappen. Kurz nach der Einigung in Brüssel setzte Cameron das von ihm versprochene Referendum auf den 23. Juni an.

syd/Reuters/dpa/AFP

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