WTC-Katastrophe 100 Deutsche tot

Bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center sind "mit hoher Wahrscheinlichkeit" 100 Deutsche ums Leben gekommen. Damit gab das Außenministerium erstmals eine zuverlässige Zahl bekannt.


Nach der Katastrophe: Die Ruinen des World Trade Center
DPA

Nach der Katastrophe: Die Ruinen des World Trade Center

Washington - "Die Nachforschungen des Auswärtigen Amtes verdichten sich nun zur traurigen Gewissheit", sagte Sprecher Andreas Michaelis. "Es wird sicher Wochen dauern, bis die amerikanischen Behörden die Identifizierung von Opfern abgeschlossen haben." Derzeit sei noch keine Aufschlüsselung der Opferzahlen nach Bundesländern möglich.

Der deutsche Krisenstab in New York hatte zuvor alle Vorbereitungen für die Betreuung von Angehörigen mutmaßlicher Opfer getroffen. Auch ein Psychiater steht zur Verfügung. Außerdem wurden Listen mit deutschsprachigen Ärzten sowie von Bestattungsunternehmen zusammengestellt, die den Rücktransport von Leichen oder Leichenteilen nach Deutschland organisieren können.

Ein Kriseninterventionsteam des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) aus München begann am Dienstag mit der psychologischen Betreuung der deutschen Überlebenden und der Angehörigen von Opfern. Vier Mitarbeiter flogen dazu nach New York, teilte der ASB mit.

Das Außenministerium führte seit dem Anschlag eine ständig aktualisierte Liste, auf der diejenigen deutschen Bürger notiert werden, deren Aufenthaltsort im Raum New York unbekannt ist. Sobald sich ein Betroffener meldet, wird er von der Liste gestrichen. Noch am Freitag waren 600 Personen registriert, zu denen bis dahin kein Kontakt aufgenommen werden konnte. Die Zahl wurde täglich kleiner. Das Ministerium arbeite "weiter unter Hochdruck daran, diese Zahl auf eine verlässliche Angabe einzugrenzen", sagte die Sprecherin. Nach dem Anschlag habe es bei der Hotline des Auswärtigen Amtes 15.000 bis 20.000 Anfragen besorgter Bürger gegeben.

Bis Sonntag war damit lediglich der Tod von vier Deutschen bei den Terroranschlägen bestätigt. Sie saßen in den entführten Passagierflugzeugen, die die Selbstmordattentäter am Dienstag als fliegende Bomben benutzt hatten.

Im World Trade Center hatten unter anderem zahlreiche Finanzkonzerne Niederlassungen. Viele dieser Unternehmen beschäftigten auch deutsche Mitarbeiter. Größter Mieter im World Trade Center war die Investmentbank Morgan Stanley die alleine 20 Stockwerke des riesigen Gebäudekomplexes belegt hatte.

Bisher kaum Informationen über deutsche Opfer

Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) hatte am Donnerstag erklärt: "Ich habe einen ersten Hinweis bekommen, dass möglicherweise drei Opfer aus Baden-Württemberg in den abgestürzten Flugzeugen saßen." Auch ein Weinexperte aus Rheinland-Pfalz soll unter den Toten sein.

"Wir haben relativ sichere Informationen über eine Flugbegleiterin, eine Deutsche, die in einem der Flugzeuge gesessen hat, die als Terrorwaffe benutzt wurden", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, in Berlin. Über weitere deutsche Opfer gebe es derzeit keine Erkenntnis, hatte Volmer am Donnerstag erklärt. "Wir wissen aber, dass im World Trade Center und in den betroffenen Gebäuden darum herum einige deutsche Firmen angesiedelt waren, wo sich zur Zeit der Katastrophe möglicherweise Mitarbeiter aufgehalten haben."

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