Athens Ex-Minister Varoufakis auf Medien-Tour "Ich mag Wolfgang"

Yanis Varoufakis ist weg? Von wegen! Seit seinem Rücktritt gibt Griechenlands Ex-Finanzchef ein Interview nach dem anderen. Und plaudert über Schäuble, Mittelfinger und Nina Hagen. Hier sind seine besten Sätze.

Bundesfinanzminister Schäuble und Varoufakis: Mit Deutschland verbunden
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Bundesfinanzminister Schäuble und Varoufakis: Mit Deutschland verbunden

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Es gibt Politiker, die verschwinden nach ihrem Rücktritt aus der Öffentlichkeit, erholen sich vom Stress, wandern aus oder schreiben ihre Memoiren. Und es gibt Typen wie Yanis Varoufakis.

Vor rund drei Wochen hatte der Finanzminister seinen Rückzug aus dem griechischen Kabinett erklärt - aus der Öffentlichkeit ist er deswegen noch lange nicht verschwunden. Er sitzt seither fast täglich in TV-Studios, schreibt Gastbeiträge für Zeitungen oder lässt sich von Journalisten großer Medienhäuser besuchen - auch von Redakteuren des SPIEGEL.

In jüngsten Interviews betont er seine Verbundenheit mit Deutschland (und irgendwie auch mit Wolfgang Schäuble) sowie mit Nina Hagen. Hier sind die besten Zitate seit seinem Abgang am 6. Juli 2015:

"Auf der Grundlage der monatelangen Verhandlungen ist meine Überzeugung, dass der deutsche Finanzminister Griechenland aus der Währungsunion drängen will, um die Franzosen das Fürchten zu lehren und sie zu zwingen, sein Modell einer Zuchtmeister-Eurozone zu akzeptieren."

(über Wolfgang Schäuble in einem Gastbeitrag für den "Guardian", 10. Juli 2015)

"Ich fühle mich überragend – Ich muss nicht länger nach diesem hektischen Terminplan leben, der war absolut unmenschlich, einfach unglaublich. Ich hatte fünf Monate lang zwei Stunden Schlaf pro Nacht."

(über die Zeit seit seinem Rücktritt im Interview mit dem "New Statesman", 13. Juli 2015)

"Wir hatten die Wahl zwischen Exekution und Kapitulation. (...) Dieses Programm wird scheitern, egal wer sich um die Umsetzung kümmert. (...) Es ist bereits gescheitert."

(über das neue Hilfsprogramm für Griechenland im BBC-Interview, 18. Juli 2015)

"Wir haben Fehler gemacht, daran gibt es keinen Zweifel. (...) Man muss schon sehr eigensinnig sein, um zu sagen, dass man überhaupt keine Fehler gemacht hat. (...) Aber der Kern der Sache ist, dass die sehr mächtige Troika der Gläubiger nicht daran interessiert war, zu einer vernünftigen, ehrlichen und für beide Seiten nutzbringenden Übereinkunft zu kommen."

(über die Verantwortung für die Eskalation des Schuldenstreits im CNN-Interview, 20. Juli 2015)

"Die griechische Demokratie hat sich aufgelöst, wir haben, bezogen auf alle Auswirkungen in der vergangenen Woche, einen Staatsstreich erlitten."

(über die Einigung im Schuldenstreit im Interview mit dem spanischen Sender Radio 4G, 21. Juli 2015)

"Mein schlimmster Feind ist die Schuldenkrise, die unser Land zerstört und es unmöglich für uns macht, unsere Schulden zu begleichen, auch gegenüber Deutschland. Schäuble war immer sehr direkt und offen mit mir, aber wenn er mit den Medien über mich gesprochen hat, hat er kein gutes Wort über mich verloren. Das ist bestimmt etwas, das er möglicherweise bereut."

(über das Verhältnis zu Wolfgang Schäuble im ZDF-Interview, 24. Juli 2015)

"Ich schätze ihn, ich mag Wolfgang. Und er schätzt, glaube ich, meine Expertise."

(über sein Verhältnis zum deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) laut Vorabmeldung zur "Stern"-Ausgabe vom 30. Juli 2015)

"Als ich drei Jahre alt war, fing ich an, Deutsch zu lernen. Und dann, während der Militärdiktatur habe ich heimlich unter der Decke mit meinen Eltern die Sendungen der Deutschen Welle angehört. Das war unsere Verbindung in die Freiheit."

(über seine Beziehung zu Deutschland laut Vorabmeldung zur "Stern"-Ausgabe vom 30. Juli 2015)

"Heute brauchen Sie keine Panzer, um jemanden zu besiegen. Sie haben ihre Banken"

(über seine Zeit als griechischer Finanzminister, zu der er sich wie inmitten eines Krieges gefühlt habe, laut Vorabmeldung zur "Stern"-Ausgabe vom 30. Juli 2015)

"Die Medien haben mich von Anfang an als diesen Verrückten hingestellt, der den Deutschen ans Geld will."

(über sein Image in Deutschland laut Vorabmeldung zur "Zeit Magazin"-Ausgabe vom 30.07.2015)

"Nina Hagen war die Heldin meiner Jugend. Ich verehre Nina Hagen."

(über deutsche Musik laut Vorabmeldung zur "Zeit Magazin"-Ausgabe vom 30. Juli 2015)

"Jemandem den Mittelfinger zu zeigen ist nicht meine Art."

(über die Irritationen zu dem Video, in dem er den Deutschen den Mittelfinger gezeigt haben soll, laut Vorabmeldung zur "Zeit Magazin"-Ausgabe vom 30. Juli 2015)

"Ich bin ein Außenseiter. Aber manchmal können nur Außenseiter wirklich erkennen, was schiefläuft, weil sie den nötigen Abstand haben."

(über sich selbst laut Vorabmeldung zur "Zeit Magazin"-Ausgabe vom 30. Juli 2015)

insgesamt 51 Beiträge
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Oskar ist der Beste 29.07.2015
1. klasse der Typ
...vor allem, weil er einfach recht hat und dewegen ist er auch so populär. Und die Parallelen mit dem Rücktritt von Lafontaine sind ja offensichtlich. 2 Politiker, die einfach recht haben, werden mit der Beihilfe der Leitmedien aus dem Amt getrieben. Gut das sich die Beiden demnächst treffen wollen.
noethlich 29.07.2015
2. Lieber Yanis Varoufakis,
Lass dich nicht entmutigen und kämpfe weiter für deine und unsere Sache. Sei dir gewiss, dass auch viele Deutsch an deiner Seite sind, wenngleich es sicherlich nicht die Mehrheit ist. Die Macht der Banken muss gebrochen werden und die Stimmer der Menschen muss wieder mehr zählen... zu große nationale und internationale Unterschiede müssen abgebaut werden, nur so ist eine gemeinsame, friedliche Zukunft möglich, tritt bitte weiter dafür ein und nutze deine Popularität.
maggelan07 29.07.2015
3. Geht doch....
Ist doch nen toller Kerl, dieser Wolfgang Schäuble. Den muß doch jeder gern haben. Und Wolfi hat durchgehalten, er blieb seinem Motto treu, jetzt wachsen so langsam die Loorbeeren heran... Ich hoffe, dass die reformen in Griechenland auch bald Früchte tragen werden....
produster 29.07.2015
4. Erinnerungsvermögen unterentwickelt
Ist jetzt auch egal, was er alles so gesagt hat. Schäuble hat gewonnen. Das Erinnerungsvermögen, auch der Deutschen, ist kurz. In einem halben Jahr, wenn Paket Nr. 3 gescheitert ist, erinnert sich kein Mensch mehr, dass Varoufakis es besser gewußt hat. Dann werden Merkel & Co. wieder alte Litaneien auf uns los lassen - und uns damit erdrücken. Die Zeit ist der Freund aller schlechten Politiker.
mcvitus 29.07.2015
5. Herr Varoufakis, für mich ein Schwätzer
vor dem Herrn. Wenn er mit solchen Phrasen die entscheidenden Verhandlungen geführt hat, ist es kein Wunder, dass ihn niemand für voll genommen hat. Dazu Lederjacke und Moped, das passt alles gut zusammen. Leider verliert er kein Wort über seine Pläne zum geplanten Putsch zugunsten der Wiedereinführung der griechischen Drachme. Aber so sind sie, die Linkspopulisten : auch wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht, Spaß muss sein. Ich fürchte nur, dass er nicht der einzige griechische Politiker mit dieser laxen Einstellung ist.
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