Ceuta in Marokko 13 Tote nach Massenansturm auf Spanien-Enklave

Sie wollten sich die Freiheit erstürmen - und kamen tragisch ums Leben. Einen Tag nach dem Massenansturm auf die Spanien-Enklave im marokkanischen Ceuta sind vier weitere Opfer geborgen worden.

Ein Bewaffneter patrouilliert am Grenzzaun: "Ende von Tod und Drama"
REUTERS

Ein Bewaffneter patrouilliert am Grenzzaun: "Ende von Tod und Drama"


Ceuta/Madrid - Im Drama um die Massenerstürmung der spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta sind weitere Todesopfer gemeldet worden. Vier weitere Männer wurden leblos aus marokkanischen Gewässern in der Nähe geborgen. Damit stieg die Zahl der Toten auf mindestens 13, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Am Donnerstag hatten 400 afrikanische Flüchtlinge versucht, von marokkanischem Gebiet aus über die Grenze zu stürmen. Die Sicherheitskräfte hielten nach Angaben der spanischen Behörden den Ansturm auf.

Auf der Flucht vor der marokkanischen Gendarmerie waren einige Menschen nach Polizeiangaben aber ins Meer gesprungen und ertrunken. Daraufhin wurde mit Patrouillenbooten und Tauchern nach möglichen weiteren Ertrunkenen gesucht. Am Freitag waren dann vier Leichen an einer Hafenmole nahe Ceuta gefunden worden, teilte die Polizeieinheit Guardia Civil mit.

Migranten, die nach Europa fliehen wollen, campieren rund um die Städte Ceuta und Melilla. Mehrere Tausend von ihnen versuchen jährlich in die Exklaven zu gelangen, die meisten werden aber an der Grenze zurückgedrängt.

Obwohl der Präfekt versicherte, die Opfer seien durch Ertrinken und nicht durch Gewalteinwirkung zu Tode gekommen, forderte das euro-afrikanische Netzwerk Migreurop Spanien dazu auf, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzusetzen, die die Grenzkontrollpraktiken vor Ort unter die Lupe nimmt. Auch Kirchensprecher forderten ein "Ende von Tod und Drama".

Die oppositionellen Sozialisten (PSOE) forderten eine schnelle Aufklärung des Flüchtlingsdramas. Sie wollen von der Madrider Regierung unter anderem eine Antwort auf die Frage, ob Beamte der Guardia Civil - wie Zeugen versichern - die anstürmenden Afrikaner mit Gummigeschossen und Tränengas zurückwiesen. Die Vereinigte Linke (IU), drittstärkste Kraft im spanischen Parlament, forderte den Rücktritt von Innenminister Jorge Fernández Díaz.

Nach einem Massenansturm auf die Exklaven im Jahr 2005 hat Spanien in den letzten Jahren die Kontrollen zu Land und zu Wasser drastisch verschärft und unter anderem Grenzbefestigungen mit sechs Meter hohen Zäunen mit Stacheldraht und Kameras errichtet.

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vks/dpa



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