Kundgebung in Ankara Zehntausende Anhänger bejubeln Erdogan

In Ankara demonstrierten Zehntausende für Premierminister Erdogan. Der Regierungschef wetterte gegen eine Verschwörung, die gegen ihn laufe. Die Proteste in Istanbul gehen davon unbeeindruckt weiter.

Ankara-Vorort Sincan: Zehntausende unterstützen Regierungschef Erdogan
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Ankara-Vorort Sincan: Zehntausende unterstützen Regierungschef Erdogan


Ankara - Nach zwei Wochen massiver Anti-Regierungsproteste in Istanbul haben sich am Samstag Zehntausende Anhänger des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor den Toren Ankaras versammelt. Gegen die angeblichen "Extremisten" vom Istanbuler Taksim-Platz feierten die Mitglieder der konservativ-islamischen Partei AKP im Zentrum des Vororts Sincan die "echte Türkei", als deren Anwalt sich Erdogan darstellt. "Wir werden nicht zulassen, dass unser Ministerpräsident Opfer einer Verschwörung in der Türkei und aus dem Ausland wird", sagte der 32-jährige Erdogan-Anhänger Ekrem Cakir.

Mit Hunderten von der AKP gemieteten Bussen wurden die Parteimitglieder nach Sincan gebracht. Die Wahlkampfveranstaltung vor der Kommunalwahl im kommenden Jahr sollte den bedrängten Regierungschef wieder in die Offensive bringen. "Das letzte Wort kehrt zu unserem geschätzten Volk zurück, und nicht zu den Randalierern", hieß es mit Blick auf die Ausschreitungen in Istanbul auf einem Plakat. "Jetzt sieht die Welt die Wahrheit" stand auf Englisch auf einem anderen Plakat, offenkundig eine Botschaft an ausländische Medien.

Trotz der Massenproteste gegen geplante Bauvorhaben und einen als autoritär empfundenen Regierungsstil ist Erdogan in der Türkei weiterhin der beliebteste Politiker. Er hat seine Anhänger zu Kundgebungen aufgerufen, um der Welt gegenüber das Bild des angeschlagenen Ministerpräsidenten zu korrigieren. Doch auch die Demonstranten in Istanbul wollen nicht klein beigeben: "Wir werden unseren Widerstand angesichts der Ungerechtigkeiten in unserem Land fortführen", erklärte das Protestbündnis Taksim-Solidarität am Samstag nach nächtlichen Beratungen.

Am frühen Abend sprach Erdogan in Ankara zu seinen Unterstützern. Sie würden die "stummen Massen" repräsentieren, erklärte der Regierungschef und sprach von einer Verschwörung, die gegen seine Regierung im Gange sei.

Eine weitere Versammlung von Erdogan-Anhängern ist für Sonntag in Istanbul geplant. Die Treffen seien keine Gegenveranstaltungen gegen die Proteste auf dem Taksim-Platz, hatte der Premierminister zuvor gesagt. Vielmehr seien sie bereits Teil des Wahlkampfs für die Wahlen im März 2014.

mak/afp

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Seite 1
Mr.Marcus 15.06.2013
1. Lol
Genauso reden Diktatoren! Aber: hat irgendjemand wirklich behauptet die Türkei wäre eine Demokratie???!
chaim.levine 15.06.2013
2.
Ob Erdogan nach der Gewaltorgie in Istanbul weiterhin der beliebteste Politiker ist, kann bezweifelt werden. Erdogan regiert einfach zu lange. Jeder, der zu lange regiert, glaubt offenbar, unersetztlich zu sein und dass Kritiker Verbrecher seien und vom Ausland gesteuert werden und eigentlich auch keine Existenzberechtigung haben. Bevor Erdogan völlig abhebt, muss ihn das türkische Volk stoppen - möglichst bei den nächsten Wahlen. Ob er eine Wahlniederlage akzeptiert oder bei der Stimmzählung nachhilft, muss man abwarten.
gerecht81 15.06.2013
3. Wieso???
Wieso sagt ihr Reporter 10.000 es waren über 240.00 Menschen . Wir leben in Deutschland ,da soll schon ein Bericht korrekt dargestellt werden !!! Erdogan ist halt der Mann der Türkei in die Top 10 gebracht hat.
elikey01 15.06.2013
4. So klingt das eben
Zitat von sysopDPAIn Ankara demonstrierten Zehntausende für Premierminister Erdogan. Der Regierungschef wetterte gegen eine Verschwörung, die gegen ihn laufe. Die Proteste in Istanbul gehen davon unbeeindruckt weiter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/zehntausende-erdogan-unterstuetzer-versammeln-sich-in-ankara-a-905950.html
..., wenn es an Einsichten für eigene Fehler und dafür umso weniger an autoritärer Machtarroganz fehlt: Dann ist Kritik Verschwörung und ausländ. Terroristen und Separatisten am Werk, um Baba von seinem geliebten Volk zu entfernen. Deshalb war es auch erforderlich, Andersmeinende (Journalisten) wegzusperren, die Medien zu kapern und das Militär auf Systemlinie zu bringen, indem "alte" Generäle ebenso weggesperrt wurden. Es scheint noch eine Bevölkerungsmehrheit zu geben, die an Ihren Baba glaubt und ihn dafür bejubelt, dass seine islamistische Blut-und-Boden-Politik im Sinne ihrer alten Traditionen mit u.a. arrangierten Ehen mit Minderjährigen und was sonst noch so an althergebrachter Kultur - islamisch-ideologisch verbrämt - außerhalb der großen Städte weiterhin gepflegt werden kann. Es entspricht der üblichen Taktik aller Despoten, Kraft ihres durch Unterdrückung Andersmeinender verfestigten Herrschaftsanspruchs das Jubelvolk zu aktivieren und anzukarren. Fehlt nur noch, dass der Premier dazu "seine" Türken in DEU gleichermaßen über Kundgebungen polt und hies. Politiker, die sich auch noch unter solchen Realitäten für die doppelte Staatsbürgerschaft stark machen. Gebildete/Intelligente durchschauen die Taktik und haben das Rückgrat, dagegen aufzubegehren und für die Attribute echter Demokratie zu kämpfen.
vox veritas 15.06.2013
5.
Zitat von sysopDPAIn Ankara demonstrierten Zehntausende für Premierminister Erdogan. Der Regierungschef wetterte gegen eine Verschwörung, die gegen ihn laufe. Die Proteste in Istanbul gehen davon unbeeindruckt weiter. http://www.spiegel.de/politik/ausland/zehntausende-erdogan-unterstuetzer-versammeln-sich-in-ankara-a-905950.html
Das ist irgendwie typisch für den gesamten Nahen Ost. Es ist immer eine Verschwörung (aus dem Ausland) im Spiel. Nie werden die Fehler bei sich selbst gesucht. Woran liegt das?
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