Zeichenwettbewerb Dänische Rechte provozieren mit Mohammed-Spott

Skandal bei den dänischen Rechtspopulisten: Nachwuchspolitiker der Volkspartei haben einen Karikaturenwettbewerb veranstaltet mit dem Ziel, Mohammed schlimmstmöglich zu verunglimpfen. Das Entsetzen ist groß nach dem Karikaturen-Streit vor wenigen Monaten.


Berlin - Die dänische Zeitung "Nyhedsavisen" berichtet in ihrer Internetausgabe, dass Mitglieder der Jugendorganisation der rechtpopulistischen Volkspartei den Zeichenwettbewerb bei einer Veranstaltung Anfang August gestartet haben. Auf der Internet-Seite sind zwei Videos des offiziellen Nachwuchstreffens von insgesamt knapp drei Minuten Länge zu sehen - unter anderem mit Zeichnungen von Mohammed als betrunkenem Terroristen und biertrinkenden Kamel. Auf einem der Videos hält eine junge Frau eine Ansprache und dann eine Zeichnung in die Kamera. Darauf ist ein pinkelndes Kamel zu sehen, mit einem Menschenkopf. Der Bärtige soll offenbar den Propheten darstellen. Offenbar wird der Sieger des Zeichenwettbewerbs geehrt, der Ton ist an dieser Stelle verwaschen. Im Hintergrund ist lautes Gegröle zu hören, junge Männer lachen schmutzig. Ein anderer Film zeigt die Nachwuchspolitiker beim Zeichnen.

Die Filme stammen von der Organisation www.defendingdenmark.com, die Rassismus in Dänemark bekämpfen will und die Videos der Veranstaltung auch auf YouTube veröffentlicht hat.

Ziel des Wettbewerbs sei es gewesen, den islamischen Propheten so herabwürdigend wie möglich darzustellen, berichtet die Zeitung. Die Jugendlichen seien betrunken gewesen; einige hätten Turbane und Sprengstoffgürtel getragen. Die Videoaufnahme schließe damit, dass ein führendes Mitglied der Jugendorganisation seine Parteifreunde auffordert, die Verlierer des Wettbewerbs sollten sich eine Burka anziehen - schließlich sei dieses Schleiergewand muslimischer Frauen "die passende Kleidung für Verlierer".

Der Chef der Jugendorganisation der Volkspartei, Kenneth Kristensen, wies die Verantwortung für die Vorgänge zurück. Er selbst sei nicht bei dem Treffen gewesen. Das Verhalten der anderen Jungpolitiker nannte er "unpassend".

Die Dänische Volkspartei hat zuletzt immer wieder mit Kampagnen gegen Ausländer Stimmung gemacht. Die Partei bekam bei der jüngsten Parlamentswahl rund 13 Prozent der Stimmen und unterstützt im Parlament die Mitte-rechts-Regierungskoalition von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen.

Die Jugendorganisation von Rasmussens rechtsliberaler Partei "Venstre" protestierte gegen die Aktion und brach die Kontakte zur Volkspartei ab. Die jungen Liberalen wollten künftig gemeinsame Auftritte mit den rechtspopulistischen Kollegen vermeiden, berichtet die Zeitung "Jyllands-Posten".

"Jyllands-Posten" hatte vor Monaten mit einem Leserwettbewerb zu Mohammed-Karikaturen einen weltweiten Konflikt ausgelöst. In zahlreichen muslimischen Staaten kam es zu Ausschreitungen, es gab Morddrohungen, Dänemark wurde zeitweise boykottiert.

anr



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