Zeitungsbericht Bushs Terrorwarnung basierte auf Erfindung

Mit dramatischen Worten hatte US-Präsident George W. Bush davor gewarnt, Terroristen planten einen verheerenden Anschlag, um den Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA zu beeinflussen. Doch einem Zeitungsbericht zufolge waren die Hinweise auf den Anschlag von einem Geheimdienstmitarbeiter frei erfunden worden.


US-Präsident Bush im Wahlkampf: Terror-Warnung frei erfunden?
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US-Präsident Bush im Wahlkampf: Terror-Warnung frei erfunden?

Washington - Der US-Präsident schürte bewusst Erinnerungen an Madrid: Die Terroranschläge vom März dieses Jahres hatten Hunderte Tote gefordert - und wahrscheinlich die Wahl zu Gunsten des Sozialdemokraten José Luis Zapatero entschieden, der wenig später eines seiner Versprechen erfüllte und die spanischen Truppen aus dem Irak abzog.

Auch in den USA, so hatte Bush am 15. September gemeinsam mit den Chefs des Geheimdienstes CIA und der Bundespolizei FBI gewarnt, könnten Islamisten versuchen, mit einem Anschlag die Wahl am 2. November zu beeinflussen. Bush hatte von Terrorplänen mit möglicherweise vielen Opfern berichtet - und davon, dass die potenziellen Attentäter zu jenem Zeitpunkt bereits im Lande gewesen seien.

Alles gelogen, schreibt nun die "Washington Post". Eine gute Woche vor der Präsidentenwahl gebe es keine konkreten Hinweise auf einen groß angelegten Terroranschlag. Frühere Warnungen hätten auf erfundenen Informationen eines Geheimdienstmitarbeiters basiert, berichtet das Blatt unter Berufung auf Geheimdienste und Polizei. Auch der Einsatz von rund 2000 Spezialisten des Bundeskriminalamtes FBI, Hunderte von Verhören und 120 Festnahmen von Ausländern allein in diesem Monat hätten keine Anzeichen auf einen Terroranschlag zu Tage gefördert.

Die innere Sicherheit ist ein zentrales Wahlkampfthema in den USA. Die beiden demokratischen Kandidaten John Kerry und John Edwards haben US-Präsident George W. Bush wiederholt vorgeworfen, aus Wahlkampfgründen gezielt die Ängste der Menschen zu schüren. In einer neuen Fernsehwerbung zur Wahl am 2. November setzen die Republikaner von Bush ein Rudel Wölfe als Metapher für die Terrorismusgefahr ein. Zugleich wird Kerry unterstellt, dass die USA unter seiner Führung in Gefahr seien.



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