Zeitungsbericht Polizei identifiziert mutmaßlichen Lindh-Attentäter

Der mutmaßliche Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh ist offenbar namentlich bekannt. Das meldet die Stockholmer Zeitung "Aftonbladet" in ihrer Internet-Ausgabe. "Ich glaube, wir werden ihn innerhalb von zwei Tagen haben", sagte ein Fahnder.


Dem Täter auf der Spur
AFP

Dem Täter auf der Spur

Stockholm - Die Polizei sei sich außerdem weitgehend sicher, dass sich der als Messerstecher mehrfach vorbestrafte Mann noch in Stockholm aufhalte, heißt es in dem Zeitungsbericht. Die Beamten seien sich trotz aller Übereinstimmungen zwischen Bildern, Zeugenaussagen und dem jetzt Gesuchten nicht völlig sicher, dass er auch der Täter ist.

Die Zeitung "Svenska Dagbladet" berichtete am Montag über Zeugenaussagen, wonach der mutmaßlich Täter unmittelbar nach dem Anschlag mehrere Passanten auf Schwedisch angesprochen habe. Die Polizei wollte die Medienangaben nicht vor einer für den Nachmittag angekündigten Pressekonferenz kommentieren.

Zuvor hieß es, Lindhs Mörder habe sich bei dem Messeranschlag möglicherweise selbst verletzt. Am Tatort im Stockholmer NK-Kaufhaus hätten die Ermittler Blutspuren entdeckt, die nicht von Lindh stammen.

Die Polizei schließe nicht aus, dass der gesuchte Mann eine Schnittwunde an der Hand habe, berichteten die Zeitungen "Dagens Nyheter" und "Expressen". Die 46-jährige Sozialdemokratin war am Mittwoch bei einem Einkaufsbummel niedergestochen und rund 13 Stunden später an inneren Blutungen gestorben.

Foto im Kaufhaus: Der Verdächtige
DPA

Foto im Kaufhaus: Der Verdächtige

Um mögliche DNS-Spuren des Täters zu bekommen, sollen zudem Spezialisten des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden sowie britische Experten die Tatwaffe untersuchen. Dies ist in Schweden technisch nicht möglich. Nach Veröffentlichung der Bilder des Hauptverdächtigen, die von den Überwachungskameras des Kaufhauses drei Minuten vor dem Mord aufgezeichnet wurden, gingen rund 2000 Hinweise aus der Bevölkerung ein.

Auf den Bildern ist ein junger, schlanker Mann mit blauem Käppi, schulterlangem, dunklem Haar und grauem Sweatshirt zu sehen.

Nach Zeitungsberichten sucht die Polizei den Attentäter nicht mehr nur in Kreisen psychisch stark gestörter Drogenabhängiger mit Vorstrafen wegen Gewalttätigkeit, darunter vor allem Obdachlose. Dies sei auch Konsequenz der Fotos, auf denen ein Mann mit vergleichweise gepflegter Kleidung zu sehen ist.

Die Zeitung "Svenska Dagbladet" berichtete unter Berufung auf Quellen im Karolinska-Krankenhaus, dass der Mörder Lindh mit seinem Messer offenbar zielgerichtet weit schwerere Verletzungen zugefügt habe als bisher angenommen.

So soll er das Messer in ihre Leber gerammt und dann gedreht haben, was das Organ weitgehend zerstörte und schwere innere Blutungen auslöste. Die 46-jährige habe deshalb entgegen früheren offiziellen Äußerungen schon bei ihrer Einlieferung nur geringe Überlebenschancen gehabt.



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