Zeitungsbericht USA planen offenbar massiven Truppenabzug aus Afghanistan

Die USA wollen raus aus Afghanistan - laut "New York Times" könnten schon bald deutlich mehr Truppen das Land verlassen, als bisher angenommen. Entsprechende Pläne diskutieren die Sicherheitsexperten im Weißen Haus - und torpedieren damit den Kurs des Verteidigungsministers.

US-Hubschrauber in Afghanistan: Abzug bis 2014 geplant
AP

US-Hubschrauber in Afghanistan: Abzug bis 2014 geplant


Washington - Der Zeitplan des Abzugs der US-Soldaten aus Afghanistan beschäftigt die Sicherheitsberater im Weißen Haus - und es gibt offenbar ein neues Konzept. Wie die "New York Times" am späten Sonntagabend berichtete, könnten mehr Truppen schon früher als angenommen das Land verlassen. Diese Pläne werden vor allem mit den steigenden Kriegskosten und dem Tod von Osama Bin Laden begründet.

Dem Bericht zufolge ist damit zu rechnen, dass US-Präsident Barack Obama die entsprechenden Entscheidungen in einer Rede an die Nation diesen Monat bekannt geben wird. Der Nationale Sicherheitsrat kommt am Montag zu seinem monatlichen Treffen zu Afghanistan und Pakistan zusammen.

Laut "New York Times" soll mit dem massiven Abzug außerdem der Druck auf den afghanischen Präsidenten Hamid Karzai erhöht werden. Vielen US-Militärs gehen demnach die Fortschritte der Sicherheitskräfte des Landes - auf dem Weg zu einer eigenständigen Kontrolle - nicht weit genug. Die Pläne stehen im Gegensatz zum Kurs von US-Verteidigungsminister Robert Gates, der einen schrittweisen Abzug favorisiert. Man müsse die Kampfkraft der Einheiten möglichst lange hoch halten, so Gates, der sein Amt in wenigen Wochen abgibt.

Der geplante stufenweise Abzug der US-Truppen aus Afghanistan soll eigentlich im Juli beginnen und bis zum Ende des Jahres 2014 abgeschlossen sein. Bislang war laut "NYT" ein erster Abzug von 3000 bis 5000 Soldaten vorgesehen. Konkrete Zahlen, wie viele Einheiten nach den neuen Plänen das Land verlassen könnten, nannte das Blatt aber nicht.

Gates kündigt vorerst "geringen" Truppenabzug an

Bei den Überlegungen geht es auch um die Festlegung eines Datums für den vollständigen Abzug der 30.000 von Obama im vergangenen Jahr entsandten zusätzlichen Soldaten, mit denen der Durchbruch im Krieg gegen die islamistischen Taliban-Kämpfer erzielt werden sollte. Derzeit sind fast 100.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert.

Minister Gates hatte am Samstag während eines Afghanistan-Besuchs gesagt, im Juli werde es zunächst nur einen "geringen" Truppenabzug geben. Ein Strategiewechsel vor dem Ende dieses Jahres wäre "verfrüht". Es sollte weiter militärischer Druck auf die Taliban ausgeübt werden, um sie möglicherweise noch dieses Jahr an den Verhandlungstisch zu zwingen.

jok/AFP



insgesamt 66 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
herr-vorragend 06.06.2011
1. .
Folglich müsste die Bundeswehr mindestens einen gleich großen Teil der in Afghansitan stationierten Soldaten abziehen. Zeit wird's!
Rodri 06.06.2011
2. ...
Der wahre Grund sind wohl eher die massiven Verluste auf dem Schlachtfeld.
havena 06.06.2011
3. Verluste
Von massiven Verlusten kann wohl kaum die Rede sein. Selbst wenn man nur die derzeit stationierten US-Streitkräfte berücksichtigt sind die Verluste im unteren einstelligen Prozentbereich. Die deutschen Verluste sind sogar nur bei 1%. Es ist hier eher ein Unterschied in der Wahrnehmung zu sehen, dass der Tod eines Soldaten heute ein viel größeres Gewicht hat als noch bspw. in Vietnam oder Korea, vom 2. WK ganz zu schweigen. Gruß Havena
UnitedEurope 06.06.2011
4. Titellos
Zitat von RodriDer wahre Grund sind wohl eher die massiven Verluste auf dem Schlachtfeld.
Ja. Die Amerikaner sind in der Hinsicht das schizophrenste was ich kenn: Über 1 Million Soldaten, doch wenn mal ein paar davon umkommen weil sie ihrem Job nachgehen, schreit der Amerikaner auf. Aber ehrlich gesagt: Was wollen die Amis dort noch ? Wenn sie gehen werden sich die Taliban bestimmt nicht den nächsten Super Terroristen anschaffen, die machen den selben Fehler bestimmt nicht zweimal. Die Amis haben denen auf die Finger gehauen und gut ist.
Gandhi, 06.06.2011
5. Ausser Spesen nichts gewesen
Au7ch dieser Krieg, den Obama von Bush geerbt hat, hat ausser Riesenkosten nichts gebracht. Die Afghanen in ihrer Mehrheit haben sich von den Westlern nicht beinflussen lassen, sehen diese als Besatzungsmacht. Wenn nun Obama daraus die Konsequenzen zieht, dann ist das nur logisch, zumal die republikanische 'Logik' ihm nun die Schuld an diesem unsinnigen Krieg in die Schuhe schieben will.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.