Soldaten in Zentralafrika Hollande droht mutmaßlichen Vergewaltigern mit harten Strafen

Haben französische Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik Kinder vergewaltigt? Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, will Präsident Hollande "unerbittlich "gegen die Täter vorgehen.

Französische Soldaten am Flughafen in Bangui: Schwere Vorwürfe
REUTERS

Französische Soldaten am Flughafen in Bangui: Schwere Vorwürfe


Ein Skandal um die mutmaßliche Vergewaltigung von Kindern in der Zentralafrikanischen Republik erschüttert die französische Armee. "Unerbittlich" will Staatschef François Hollande vorgehen, sollten sich die schweren Anschuldigungen gegen 14 französische Soldaten bewahrheiten. Das Verteidigungsministerium droht mit "härtesten Strafen", und das Familienministerium in Paris spricht von mutmaßlichen "Verbrechen" gegenüber besonders verletzlichen Opfern eines Krieges.

Am Mittwoch war durch einen Bericht des britischen "Guardian" bekannt geworden, dass die Pariser Staatsanwaltschaft bereits seit Juli 2014 Vorermittlungen wegen angeblicher sexueller Übergriffe auf Minderjährige durch französische Soldaten in der Zentralafrikanischen Republik führt. Die Vorwürfe hatten Jungen vor Vertretern der Vereinten Nationen geäußert, die Taten sollen sich in der Hauptstadt Bangui zugetragen haben. Es geht um 14 verdächtige französische Soldaten, von denen aber nur ein kleiner Teil identifiziert wurde, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Justizkreise meldete.

Soldaten sollen Kinder am Flughafen zum Sex gezwungen haben

Frankreich hatte Ende 2013 mit Zustimmung des Uno-Sicherheitsrats Soldaten zum Schutz der Zivilbevölkerung in das afrikanische Land geschickt. Der Staat war im März 2013 ins Chaos gerutscht, nachdem muslimische Séléka-Rebellen die Macht an sich gerissen hatten.

Bei dem Skandal steht auch der Ruf der französischen Armee auf dem Spiel, die in einer ganzen Reihe afrikanischer Länder eine herausgehobene Rolle als Schutzmacht spielt. Präsident Hollande, der zugleich oberster Armeechef ist, erinnerte am Donnerstag eindringlich an das Vertrauen, das in das französische Militär weltweit gesetzt werde. "Kein Fleck darf ihre Uniformen beschmutzen." Sein enger Vertrauter, Finanzminister Michel Sapin, warnte denn auch vor vorschnellen Anschuldigungen, die "das Bild Frankreichs und das Bild seiner Armee" schädigen könnten.

Der Uno sind schon seit dem Frühjahr 2014 zumindest die Anschuldigungen von zentralafrikanischen Kindern gegen die Soldaten bekannt: Am Flughafen von Bangui, den seit Dezember 2013 französische Soldaten angesichts von Chaos und Gewalt in dem Land sicherten und wohin sich Zehntausende Menschen geflüchtet hatten, sollen die Kinder im Alter zwischen neun und 13 Jahren gegen Essen oder Geld zu Sex gezwungen worden sein.

"Wenn du das tust, dann bekommst du Essen"

Die Uno hatte eine Untersuchung vor Ort durchgeführt und einen Bericht zu den Vorwürfen erstellt, in dem die Aussagen von sechs Kindern gegen die französischen Soldaten als sehr glaubwürdig eingestuft werden.

"Die Kinder haben ausgesagt, dass sie Hunger hatten und dachten, dass sie bei den Soldaten Essen bekommen könnten", sagt Paula Donovan von der US-Hilfsorganisation Aids-Free World, die den Uno-Bericht an den "Guardian" übergeben hatte, wodurch die Vorwürfe in dieser Woche nun ans Licht kamen. Die Antwort der Soldaten sei gewesen: "Wenn du das tust, dann bekommst du Essen." Einige Kinder wurden selbst vergewaltigt, andere mussten bei Vergewaltigungen ihrer Freunde zusehen, manche konnten Beschreibungen und sogar Vornamen der Soldaten liefern.

Das französische Verteidigungsministerium weiß nach eigenen Angaben seit Ende Juli 2014 von den Vorwürfen - damals übergab ein schwedischer Uno-Mitarbeiter den Bericht an Paris, weil die Uno selbst seiner Ansicht nach zu lange untätig blieb. Der Mann wurde von der Uno inzwischen suspendiert.

In Paris hebt das Ministerium hervor, dass die französische Staatsanwaltschaft sofort eingeschaltet worden sei. Ein Ministeriumssprecher versicherte am Donnerstag, dass "nichts vertuscht" und "null Nachsicht" geübt werde. Die Ermittlungen der Justiz würden laufen, bisher seien die Vorwürfe, die sich auf den Zeitraum zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 beziehen, noch nicht erwiesen.

anr/dpa/AFP



insgesamt 15 Beiträge
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myoto 30.04.2015
1. Echt jetzt?
Lese ich das richtig? Da meldet jemand diese Vorfälle bei der Uno und dann an Frankreich weil die Uno nichts tut und dann wird er suspendiert?
Spiegelleserin57 30.04.2015
2. fassungslos!
es ist eine SCHANDE dass auch nur so ein Verdacht aufkommt! Da wird offiziell geholfen und gesichert und was passiert?` Kaum zu glauben und dann suspendiert man auch noch den Mann der den Verdacht meldet. Da verliert man wirklich den Glauben an die EU und all ihre vermeintlichen Hilfsaktionen. Einfach unbeschreiblich, solche Verdachtsmomente. Unerbittlich ist wohl noch galant formuliert. Entschuldigung reicht auch nicht, den Jugendlichen müssen Entschädigungen gezahlt werden und Therapien angeboten werden ....und zwar unverzüglich wieder Jurist sagt! Das ist das Mindeste was was Frankreich für die Kinder tun muss. Einfach nur extrem peinlich für alle!
qwertee 30.04.2015
3. The Wistleblower
"Das französische Verteidigungsministerium weiß nach eigenen Angaben seit Ende Juli 2014 von den Vorwürfen - damals übergab ein schwedischer Uno-Mitarbeiter den Bericht an Paris, weil die Uno selbst seiner Ansicht nach zu lange untätig blieb. Der Mann wurde von der Uno inzwischen suspendiert." darüber bin ich auch gestolpert. Gibts da mehr Info, SPON? Hört sich leider alles fast 1:1 wie aus dem Film "Whistleblower" mit Rachel Weisz an.
rwk 30.04.2015
4. Für Essen ??
Bangui liegt am Ubangi also jede Menge Wasser. Da wächst so ziemlich alles was unter dem Äquator gedeiht. Manjok als Basisspeise im Überfluss. Dann Früchte Ananas, Papayas, Kokosnüsse, Ölpalmen und anderes mehr. Doch etwas kurios, dass für Essen Kinder sich missbrauchen liessen. Dass die Minderjährigen sich anbieten ist nicht zu bezweifeln wenn dann Soldaten "zugreifen" gehören sie hart bestraft. Aber es würde mich wundern, wenn das soweit kommen würde.
gersois 30.04.2015
5. Vertuscht!
Wenn der Guardian es jetzt nicht veröffentlicht hätte, wären die Verbrechen weiter vertuscht worden. Der Einfluss des Militärs ist in Frankreich größer als man gemeinhin denkt.
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