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21. Februar 2014, 08:20 Uhr

Bürgerkrieg in Zentralafrika

Uno fordert 3000 weitere Soldaten

Das Morden in Zentralafrika nimmt kein Ende: Die Menschen haben nur die Wahl zwischen Flucht und Tod. Uno-Generalsekretär Ban will nun schnell eine Übergangstruppe einsetzen. Denn ein Blauhelm-Einsatz kann noch Monate dauern.

New York/Genf - Es war ein eindringlicher Appell des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon: Er forderte von der Staatengemeinschaft, sofort mindestens 3000 weitere Soldaten in die Zentralafrikanische Republik zu schicken. "Die Truppen müssen so bald wie möglich entsandt werden", sagte er am Donnerstag im Sicherheitsrat. Es handele sich um eine Übergangsmaßnahme, um die Bevölkerung zu schützen, bis ein Blauhelm-Kontingent eintreffen könnte. Denn bis dieses zusammengestellt und in Marsch gesetzt ist, wird viel Zeit vergehen.

Frankreich hatte in der vergangenen Woche angekündigt, seine Einsatztruppe auf 2000 Soldaten zu erhöhen. Präsident François Hollande forderte zugleich andere Länder auf, ihren Beitrag zu leisten. Paris unterstützt mit seinen Soldaten die 6000 Mann starke Friedensmission der Afrikanischen Union Misca.

Am Montag hatten die EU-Außenminister in Brüssel beschlossen, Militär in das Krisenland zu entsenden. Zuletzt wurde mit einer Stärke von 1000 Mann gerechnet. Die Bundesregierung prüft die Entsendung eines Lazarettflugzeugs.

Der Uno-Sicherheitsrat und die afrikanischen Staaten müssen die Gewalt gegen Zivilisten in der Zentralafrikanischen Republik stoppen, verlangte auch die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Genf. Die internationalen Bemühungen zum Schutz der Bevölkerung hätten völlig versagt. "Die Tragödie, die wir erleben, ist beispiellos", sagte die Präsidentin der Hilfsorganisation, Joanne Liu. "Wir werden täglich Zeugen von Gräueltaten, die sich vor den Augen der politisch Verantwortlichen abspielen." Massive Flüchtlingsbewegungen drohen das Land in einen muslimischen Norden und einen christlichen Süden zu spalten.

Brutale Kämpfe und ethnische Säuberungen

Seit dem Sturz von Präsident François Bozizé durch muslimische Seleka-Rebellen im März 2013 dreht sich in Zentralafrika eine Spirale der Gewalt. Christliche Milizen machen Jagd auf Muslime, plündern, morden und vergewaltigen, was regelmäßig zu Racheakten führt.

Etwa eine Million Menschen sind auf der Flucht - das ist ein Fünftel der Bevölkerung. Jeder zweite Flüchtling ist ein Kind, so das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef. Mindestens 2000 Menschen wurden getötet. Weder die Übergangsregierung unter Präsidentin Cathérine Samba Panza noch die ausländischen Truppen konnten die Lage unter Kontrolle bringen. An vielen Orten im Land sind die Menschen auf der Suche nach Schutz in Krankenhäusern, Kirchen oder Moscheen eingeschlossen.

baf/AFP/Reuters

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