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29. Mai 2014, 12:47 Uhr

Unicef schlägt Alarm

Millionen Kinder in Zentralafrika "massiv bedroht"

Unicef hat für Zentralafrika die höchste Notfallstufe ausgerufen: Millionen Kinder seien in Gefahr. Sie werden gezielt getötet oder verstümmelt, sexuell missbraucht und von Milizen als Kindersoldaten rekrutiert.

Bangui - Von dem blutigen Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik sind nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef rund 2,3 Millionen Kinder betroffen. Sie seien durch die Gewalt direkt und "massiv bedroht", sagte der Unicef-Kommunikationsbeauftragte für Zentralafrika, Daniel Timme. Kinder würden gezielt getötet oder verstümmelt, sexuell missbraucht und von bewaffneten Gruppen als Kämpfer rekrutiert.

In der Zentralafrikanischen Republik, wo seit einem Putsch im vergangenen Jahr ein Bürgerkrieg tobt, leben insgesamt rund 5,3 Millionen Einwohner; knapp die Hälfte davon sind laut CIA World Factbook jünger als 14 Jahre.

Die Zustände seien "katastrophal", das Leid das Kinder sei "sehr, sehr groß", sagte Timme, der seit März für Unicef in Zentralafrika im Einsatz ist. Das einzige Kinderkrankenhaus in der Hauptstadt Bangui "platzt aus allen Nähten". Dort würden Kleinkinder behandelt, die "mit Granatsplittern übersät und mit Macheten verstümmelt" seien oder Schusswunden im Gesicht hätten.

"So wenig Respekt vor Leben"

"Man fragt sich, ob hier die Menschlichkeit völlig verloren gegangen ist, wenn erwachsene Menschen durch die Straßen laufen, Kindern ins Gesicht schießen und dafür nicht einmal belangt werden", sagte Timme, der auch schon im Kongo und nach dem Tsunami in Indonesien gearbeitet hat. Dass es in Zentralafrika nur noch "so wenig Respekt vor Leben" gebe, nehme ihn sehr mit.

In der Zentralafrikanischen Republik hatte das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Séléka 2012 einen Aufstand begonnen und im März 2013 Staatschef François Bozizé gestürzt. Der Putsch riss das Land in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen, in deren Verlauf bereits Tausende Menschen getötet wurden. Rund eine Million Menschen sind auf der Flucht.

Die Flüchtlinge seien besonderen Risiken ausgesetzt, sagte Timme. Sie müssten teilweise im Freien übernachten, außerdem mangele es an Nahrung, sauberem Wasser und Sanitäranlagen. Viele Kinder seien durch Mangelernährung akut vom Tode bedroht. Im Krankenhaus von Bangui habe sich die Zahl der mangelernährten Kinder zuletzt verdreifacht. Krankheiten wie Malaria und die mit dem bevorstehenden Beginn der Regenzeit drohende Cholera seien ein weiteres großes Problem.

Unicef hat für die Krise in Zentralafrika die höchste Notfallstufe ausgerufen, die Zahl der Mitarbeiter wurde verdoppelt. Das Hilfswerk versorgt unter anderem Flüchtlinge mit Planen, sauberem Trinkwasser und Hygieneartikeln. Kinder, die Gewalt erlebt haben, bekommen eine psychosoziale Betreuung. Nach Verhandlungen mit Milizen wurden laut Timme seit Jahresbeginn zudem rund tausend Kindersoldaten freigelassen, die Unicef nun betreut und unterstützt.

Timme hatte kürzlich in einem ZDF-Interview gesagt, Unicef benötige im laufenden Jahr etwa 80 Millionen Dollar, um beim Noteinsatz in Zentralafrika "vernünftig arbeiten" zu können. Davon würden noch rund 60 Millionen fehlen.

rls/AFP

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