Zwischenfall um zerstörte Drohne USA sprechen von Provokation - Iran gibt sich ahnungslos

Donald Trump bewertet den Vorgang als "feindliche Aktion": Erneut hat es in der Straße von Hormus einen heiklen Vorfall mit einer Drohne gegeben. Noch sind viele Fragen offen.

USS "Boxer": Im Mittelpunkt einer weiteren Eskalation zwischen Iran und den USA
Ahmed Jadallah/REUTERS

USS "Boxer": Im Mittelpunkt einer weiteren Eskalation zwischen Iran und den USA


Die Sorge vor einer militärischen Eskalation zwischen den USA und Iran wächst weiter - und auch bei der jüngsten Entwicklung steht die Straße von Hormus im Fokus. Die Mannschaft eines US-Marineschiffs zerstörte nach Angaben von Präsident Donald Trump am Donnerstag in der Meerenge eine iranische Drohne. Viele Details blieben aber zunächst unklar, zumal die iranische Seite den Vorfall bisher nicht bestätigte.

Außenminister Mohammed Dschawad Sarif erklärte am Sitz der Vereinten Nationen in New York, Iran habe keine Informationen über den Verlust einer Drohne. Trump sagte dagegen in Washington, die Drohne sei der USS "Boxer" sehr nahe gekommen und habe die Sicherheit des Schiffes und seiner Crew gefährdet. Mehrere Aufforderungen, die Drohne zurückzuziehen, seien ignoriert worden. Sie sei daraufhin sofort zerstört worden.

Es ist nicht der erste Zwischenfall dieser Art zwischen den beiden Ländern. Vor knapp einem Monat hatten die iranischen Revolutionsgarden eine amerikanische Aufklärungsdrohne abgeschossen, weil sie angeblich den iranischen Luftraum im Persischen Golf verletzt hatte. Die US-Regierung gab an, dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Daraufhin spitzte sich der Konflikt gefährlich zu.

Video: Trump verkündet Abschuss von iranischer Drohne

Der US-Präsident wirkte am Donnerstag relativ zurückhaltend in seiner Rhetorik, als er die Öffentlichkeit über den Vorfall unterrichtete. Trump sprach davon, dass sich die Mannschaft des Schiffs verteidigt habe. "Es ist die jüngste von vielen provozierenden und feindlichen Aktionen des Iran gegen Schiffe, die in internationalen Gewässern operieren." Er forderte andere Länder auf, Irans Vorgehen zu verurteilen. Von scharfen Drohungen in Richtung Teheran sah er aber ab.

Aus dem Pentagon hieß es, der Vorfall habe am Donnerstag gegen 10 Uhr (Ortszeit) stattgefunden. Das Schiff sei in internationalen Gewässern gewesen, als sich die Drohne genähert habe. Es sei inzwischen im Persischen Golf.

Tanker mit angeblicher Schmuggelware gestoppt

Nicht äußern wollte sich das US-Verteidigungsministerium dazu, wie genau die Drohne zerstört worden sei - ob sie abgeschossen oder durch Störsender unbrauchbar gemacht wurde. Ein Vertreter des US-Militärs wollte auch keine Angaben dazu machen, ob es sich um eine bewaffnete Drohne handelte.

Iran wiederum setzte nach eigenen Angaben einen ausländischen Öltanker im Persischen Golf fest und nahm die Besatzung fest. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) teilten am Donnerstag auf ihrem Webportal mit, sie hätten den Tanker mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl in der Nähe der Straße von Hormus gestoppt und die zwölf ausländischen Crew-Mitglieder festgenommen.

Wie auf einem Video zu sehen ist, das das iranische Auslandsfernsehen Press TV zeigte, handelt es sich bei dem Schiff um den Öltanker "Riah", dessen Signal am vergangenen Wochenende plötzlich vor der iranischen Küste verschwunden war. Auf dem Video ist zu sehen, wie zwei Schnellboote die "Riah" umkreisen. Nach Angaben der Webseite Marine Traffic meldete der Öltanker zum letzten Mal am vergangenen Samstag seinen Standort südlich der iranischen Insel Keschm. Das Schiff wurde nach iranischen Angaben am Sonntag gestoppt. Wem der mit 68 Meter Länge relativ kleine Öltanker gehört, ist unklar.

Trotz des neuen Vorfalls gab es auch Anzeichen für Verhandlungsbereitschaft auf beiden Seiten. Der britische "Guardian" berichtete am Donnerstag, der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif habe in Aussicht gestellt, striktere Kontrollen des iranischen Atomprogramms zuzulassen. Im Gegenzug wolle Iran eine Aufhebung von US-Sanktionen.

Im Video: USA wollen Militärschutz für Schiffe

Deven B. King/ REUTERS

Die Meerenge ist von entscheidender Bedeutung

Zuletzt war es zu mehreren Zwischenfällen in dem Seegebiet gekommen. Im Juni wurden zwei Tanker bei schweren Zwischenfällen im Golf von Oman beschädigt.

In der vergangenen Woche gab es dann Aufregung um einen britischen Tanker. Nach Angaben aus London hatten drei iranische Boote versucht, das britische Handelsschiff an der Durchfahrt der Straße von Hormus zu hindern. Eine Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt, in den Vorfall verwickelt zu sein.

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit und spielt eine entscheidende Rolle im Konflikt zwischen den USA und Iran. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Im vergangenen Jahr hatte Irans Präsident Hassan Rohani mit einer Blockade gedroht.

jok/dpa/Reuters



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