Zivile Opfer Bilder des Grauens erzürnen die arabische Welt

Tote Iraker neben einer weißen Fahne, ein Kind mit zertrümmertem Kopf: Grausame TV-Bilder und Fotos aus dem Irak wecken schon jetzt Wut und Ekel in der arabischen Welt. Derweil wächst die Zahl der Opfer, bei Angriffen auf Basra und radikale Gruppen im Norden soll es wieder zahlreiche Tote gegeben haben.


Ziviles Leid bei Basra : Erwachsene kümmern sich um ein Kind, das bei den Kämpfen um die südirakische Großstadt verletzt worden sein soll
AP

Ziviles Leid bei Basra : Erwachsene kümmern sich um ein Kind, das bei den Kämpfen um die südirakische Großstadt verletzt worden sein soll

Kairo - Seit Beginn der amerikanischen Bodenoffensive zeigt der TV-Sender al-Dschasira Bilder, wie sie auf CNN nicht zu sehen sind - und viele in der arabischen Welt reagieren mit Abscheu darauf. Gelangen noch mehr Aufnahmen dieser Art an die Öffentlichkeit, könnte sich dies zu einem massiven Problem für die Amerikaner auswachsen. Erste Anti-Kriegs-Demonstrationen mit Ausschreitungen hatte es bereits am Samstag im Jemen und in Ägypten gegeben.

Besonders schrecklich dürften Fernsehzuschauer am Wochenende die Fernsehbilder eines toten Kindes gefunden haben, dem die Schädeldecke fehlte. Diese TV-Aufnahmen wurden von einigen Zeitungen übernommen, selbst das halbamtliche ägyptische Blatt "al-Achbar" druckte das Foto am Sonntag mit der Bildunterschrift "Amerikanische Menschlichkeit". Weitere Zeitungen zeigten Aufnahmen von verstümmelten Leichen und verletzten Kindern im Irak. Einige Blätter wählten für ihre Titelseiten ein Bild aus, das tote irakische Soldaten in einem Schützengraben zeigt. Neben ihnen liegt eine weiße Fahne.

Irak: 77 tote Zivilisten

Al-Dschasira hatte am Samstag auch Bilder aus der Umgebung von Basra ausgestrahlt, auf denen deutlich wurde, dass die Menschen nicht nur bei Luftangriffen getötet wurden. Zu sehen war beispielsweise ein Taxi mit Einschusslöchern in der Windschutzscheibe. Leichen waren nicht zu sehen, möglicherweise waren sie abtransportiert worden. Neben dem Fahrzeug sah man Blutlachen und Schuhe.

Blutende Frau bei Basra: Nach irakischen Angaben viele zivile Tote und Verletzte im Süden
AP

Blutende Frau bei Basra: Nach irakischen Angaben viele zivile Tote und Verletzte im Süden

Vor allem rund um Basra, wo die westlichen Truppen am Samstag auf größere Gegenwehr gestoßen sind, sind bei den Gefechten offenbar zahlreiche Iraker gestorben. Nach den - problematischen - offiziellen irakischen Angaben vom Sonntagmorgen sind in den letzten 24 Stunden rund um die Stadt allein 77 Zivilisten getötet worden, hinzu kämen hunderte Verletzte. Dies sagte der Informationsminister Mohammed Said al-Sahaf auf einer Pressekonferenz in Bagdad.

Bericht über zerstörte Wohnhäuser

Bei den Bombardierungen der Hauptstadt Bagdad hat es nach irakischer Darstellung in der Nacht zum Sonntag 106 zivile Verletzte gegeben. Ein Korrespondent der dpa besichtigte in einem Wohnviertel im Bezirk Kadisija einen schweren Raketentreffer. Zwei zweistöckige Häuser, offenbar Wohnhäuser, waren demnach vollständig zerstört, die umliegenden Häuser wurden schwer beschädigt. Anwohner sagten, zwei Bewohner seien verletzt in Krankenhäuser gebracht worden, ein Bewohner werde noch vermisst. In Bakuba, 50 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden nach irakischen Angaben 23, im 100 Kilometer entfernten Muthenna acht Personen verletzt.

Im Nordosten Iraks, nahe der iranischen Grenze, haben alliierte Jets nach Angaben eines in der Nähe stationierten BBC-Reporters in der Nacht zum Sonntag erneut Angriffe geflogen, bei denen Menschen umgekommen sein könnten. Ziel der Angriffe sei die Gruppe Ansar al-Islam gewesen, der Washington Verbindungen zum Terrornetz al-Qaida vorwirft. Allerdings seien auch Mitglieder einer zweiten Gruppe mit dem Namen Komala getroffen worden. Dem BBC-Bericht zufolge hat Washinton die Region bereits am Freitag mit mindestens 70 Cruise Missiles beschossen. Dabei sind laut BBC mindestens 60 Menschen ums Leben gekommen, die führende Kurdengruppe der Region spreche gar von 150 Todesopfern.

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