Zwangsanpassung Kanada entschuldigt sich bei Ureinwohnern

Ein "sehr trauriges Kapitel": Kanadas Premier Harper hat sich erstmals offiziell bei den indianischen Ureinwohnern entschuldigt. In einer Rede vor dem Parlament verurteilte er die Zwangsanpassung Zehntausender Ureinwohner und bat die Opfer jahrelanger Gewalt um Verzeihung.


Ottawa - Es sei falsch gewesen, die Kinder der Ureinwohner aus ihren Familien und Gemeinschaften zu reißen, um sie in speziellen Internaten ihrer Kultur und Tradition zu berauben, sagte Stephen Harper am Mittwoch vor dem Parlament in Ottawa. Der kanadische Premier hat sich erstmals offiziell für sein Land entschuldigt.

Kanadische Ureinwohner bei Gedenkveranstaltung: "Politik der Anpassung war falsch"
AP

Kanadische Ureinwohner bei Gedenkveranstaltung: "Politik der Anpassung war falsch"

"Diese Politik der Anpassung war falsch, verursachte großes Leid und hat in diesem Land keinen Platz", sagte Harper am Mittwoch vor dem kanadischen Unterhaus in Ottawa. Das Geschehene sei ein "trauriger Abschnitt" in der kanadischen Geschichte.

Seit 1874 wurden schätzungsweise 150.000 Kinder der Inuit und Meti in Internate gezwungen, die auf Geheiß der Regierung von christlichen Kirchen betrieben wurden. Dort wuchsen sie völlig isoliert von ihren Familien, ihren Gemeinden und ihrer Kultur auf.

Rund 80.000 von ihnen sind noch am Leben, viele wurden von Schulleitern und Lehrern missbraucht. Die meisten dieser Schulen wurden von der Regierung in den siebziger Jahren geschlossen, die letzte 1996.

Die Assembly of First Nations, eine Art Dachorganisation der Ureinwohner Kanadas, kritisierte im Vorfeld der angekündigten Ansprache Harpers, eine Entschuldigung der keine Taten folgten, reiche nicht aus. In Kanada leben rund 1,3 Millionen Ureinwohner, insgesamt gibt es 33 Millionen Kanadier. Die wirtschaftliche Lage der Ureinwohner ist deutlich schlechter als beim Durchschnitt der kanadischen Bevölkerung und die Selbstmordrate besonders hoch.

amz/AFP/AP/ddp/dpa



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