Zweifelhafter Tipp Chirac empfiehlt Merkel Glöckchen für EU-Gipfel

Der französische Präsident Jacques Chirac hat einen guten Rat: Wenn Deutschland im Januar die EU-Präsidentschaft übernimmt, soll sich Kanzlerin Merkel ein Glöckchen zur Begrenzung der Redezeit besorgen. Dabei war gerade das von Chirac geleitete EU-Treffen in Nizza als Chaos-Gipfel geendet.


Brüssel - Nur so könne sie sichergehen, dass die Staats- und Regierungschefs bei EU-Gipfeln die Redezeit einhielten, sagte Chirac. Der französische Staatspräsident spricht aus Erfahrung: Beim EU-Gipfel in Nizza im Jahr 2000 habe er sich ein solches Glöckchen angeschafft, berichtet er. "Ich habe Frau Merkel sehr stark dazu geraten, sich dieser Methode zu bedienen", sagte Chirac. "Sie schien total überzeugt von dem Vorschlag", fügte er hinzu.

Das Mammuttreffen für sechs Jahren dauerte vier Tage und fünf Nächte. Allerdings gilt der Vertrag von Nizza, der das Ergebnis der Verhandlungen unter französische Präsidentschaft war, heute als Tiefpunkt europäischer Gemeinsamkeiten. Chirac und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder stritten sich mit größter Heftigkeit über die Stimmrechte ihrer Staaten in der EU.

"Das war der Tiefpunkt der Bemühungen um das Haus Europa", urteilte der damalige französische EU-Kommissar Michel Barnier. Im Jahre 2000 zählte die EU noch 15 Mitglieder. Inzwischen ist sie auf 25 angewachsen. Im Januar stoßen noch Rumänien und Bulgarien hinzu.

jaf/AP/rtr/dpa



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