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70 Jahre danach: Gedenken an das Kriegsende

Foto: Anatoly Maltsev/ dpa

Gedenkfeiern zum Kriegsende 1945 Trauer, Freude, Muskelspiele

Zum 70. Mal jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs - doch statt Zeichen der Versöhnung zu senden, instrumentalisieren viele Staaten das Gedenken. Wer feiert mit wem - und worum geht es hinter den Kulissen?

Nicht einmal beim Gedenken an ihre erfolgreichste Zusammenarbeit sind sich Amerikaner und Russen einig: Am 8. Mai feiert die westliche Welt das Ende des Zweiten Weltkriegs im Frühsommer 1945 - erst einen Tag später begeht Russland seinen "Tag des Sieges". Der Grund für das Kuriosum: Die Kapitulation der deutschen Wehrmacht trat am 8. Mai 1945 spätabends in Kraft, als in Moskau schon der 9. Mai angebrochen war.

Die unterschiedlichen Gedenkdaten haben natürlich nichts mit der aktuellen Krise zwischen Russland und dem Westen zu tun, illustrieren aber einen bedenklichen Trend: Statt den Sieg über den Nationalsozialismus gemeinsam zu begehen, nutzen viele Staaten das Gedenkjahr für eigene Zwecke. Das Weltkriegsgedenken im globalen Überblick:

USA

Veteranen am Weltkriegsdenkmal in Washington: Flugshows und eine Gala

Veteranen am Weltkriegsdenkmal in Washington: Flugshows und eine Gala

Foto: Shawn Thew/ dpa

Das ist geplant: In den Vereinigten Staaten gibt es rund um den 8. Mai etliche Gedenkveranstaltungen - etwa am Nationalen Weltkriegsdenkmal  und auf Konferenzen im ganzen Land . In Washington ist eine Flugschau mit historischen Kampffliegern  geplant, die politische Prominenz trifft sich auf einer Gala im Luftfahrtmuseum. Wie US-Präsident Barack Obama den Gedenktag verbringen wird, ist noch nicht bekannt - aber an der jährlichen Siegesparade in Moskau will er nicht teilnehmen.

Darum geht es: Obamas Absage an Russlands Präsident Wladimir Putin zeigt, wie sehr die Krise zwischen Moskau und dem Westen das Weltkriegsgedenken überschattet. Beide Großmächte beanspruchen für sich einen großen Anteil am Sieg über Nazi-Deutschland. Dass Obama und Putin das Gedenken so stark mit der aktuellen politischen Lage verknüpfen, ist aber neu - und erinnert an Symbolik aus dem Kalten Krieg.


RUSSLAND

Staatspräsident Putin mit Veteranen auf der Krim (2014): "Tag des Sieges"

Staatspräsident Putin mit Veteranen auf der Krim (2014): "Tag des Sieges"

Foto: KIRILL KUDRYAVTSEV/ AFP

Das ist geplant: Russland feiert am 9. Mai das Ende des "Großen Vaterländischen Krieges" vor allem in Moskau. Stundenlang überträgt das Fernsehen am "Tag des Sieges" die gigantische Militärparade, bei der Soldaten in Paradeuniform den mit Orden behängten Veteranen salutieren.

Darum geht es: Wegen des Ukraine-Konflikts wird Präsident Putin in diesem Jahr die Militärparade an der Seite nur weniger ausländischer Regierungschefs abnehmen - in Tschechien sorgte die Debatte darüber sogar für einen handfesten diplomatischen Eklat. Immerhin kommen Uno-Generalsekretär Ban und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping, den Putin besonders beeindrucken will. Schon im vergangenen Jahr hatte Putin ohne Vertreter des Westens gefeiert - auf der annektierten ukrainischen Krim-Halbinsel.


POLEN

Staatspräsidenten Gauck, Komorowski in Danzig (2014): Gedenken in Polen

Staatspräsidenten Gauck, Komorowski in Danzig (2014): Gedenken in Polen

Foto: Piotr Pedziszewski/ dpa

Das ist geplant: Polens Präsident Bronislaw Komorowski plant für den 8. Mai einen Gedenkakt auf der Westerplatte bei Gdansk (ehemals Danzig), wo 1939 der deutsche Überfall auf Polen begann. Moskau kritisiert diesen Plan scharf: Polen versuche, so "die Rolle der Sowjetunion als Sieger des Großen Vaterländischen Krieges infrage zu stellen", sagte der russische Vizeaußenminister Grigorij Karassin im Februar.

Darum geht es: Polen streitet mit Russland seit Langem über dessen Verdienst im Weltkrieg. Denn Moskau ersetzte 1945 in Polen das NS-System durch den Stalinismus, nachdem es sich 1939 nach Absprache mit Adolf Hitler bereits Ostpolen einverleibt hatte - was Putin bis heute verteidigt. Der Streit um den Gedenkakt auf der Westerplatte ist aber auch ein Ergebnis der Ukraine-Krise: Wie viele frühere Ostblock-Staaten fürchtet Warschau, ebenfalls Opfer der russischen Expansionspolitik zu werden. Die diplomatische Krise hatte bereits das Gedenken an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Januar betroffen: Putin blieb der Veranstaltung fern - angeblich, weil er keine Einladung erhalten hatte.


DEUTSCHLAND

Kanzlerin Merkel, Vizekanzler Gabriel, Präsident Gauck: Einladung aus Moskau

Kanzlerin Merkel, Vizekanzler Gabriel, Präsident Gauck: Einladung aus Moskau

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Das ist geplant: Für den Verursacher des Weltkriegs ist der aktuelle Konflikt äußerst heikel. Denn es war die Sowjetunion, die im Kampf gegen die Wehrmacht die meisten Kriegsopfer zu beklagen hatte und 1945 das NS-Regime in Osteuropa beendete. Daher zählt ein Besuch bei Putins Siegesparade eigentlich zu den diplomatischen Selbstverständlichkeiten für die Bundeskanzlerin, die 2010 auch daran teilnahm. Doch in diesem Jahr reist Merkel erst einen Tag später an, um die Militärparade zu umgehen.

Darum geht es: Wegen der Ukraine-Krise haben bereits die USA, Großbritannien, Polen und die baltischen Staaten Putin eine Absage für den "Tag des Sieges" erteilt. Die Debatte liefert in Deutschland auch innenpolitisch Zündstoff, denn die Linke wollte Putin sogar in den Bundestag einladen. Die Forderung verpuffte, doch Berlin will gar nicht die Rolle der Russen bei der Befreiung Deutschlands ignorieren: Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte bereits an diesem Mittwoch in einer Rede an die Leiden sowjetischer Soldaten in deutscher Kriegsgefangenschaft.


GRIECHENLAND

Proteste am "Ochi-Tag" 2011 in Thessaloniki: Nein zur Sparpolitik

Proteste am "Ochi-Tag" 2011 in Thessaloniki: Nein zur Sparpolitik

Foto: © Grigoris Siamidis / Reuters/ REUTERS

Das ist geplant: Griechenland feiert das Ende des Zweiten Weltkriegs nicht, begeht aber am 28. Oktober einen anderen Gedenktag - den "Ochi-Tag". "Ochi" ist das griechische Wort für "nein". Das mutige Nein der griechischen Regierung im Herbst 1940 gegenüber einem italienischen Ultimatum feiert das Mittelmeerland in jedem Jahr. Kurz nach dem Nein aus Athen marschierte die Armee des italienischen Diktators Benito Mussolini ein, stieß aber auf harten Widerstand, bis im April 1941 dann deutsche Truppen folgten und die griechische Kapitulation erzwangen.

Darum geht es: Griechenland littwährend des Zweiten Weltkriegs sehr unter der deutschen Besatzung - und das droht nun das Gedenken zu überschatten. Denn in der derzeitigen Schuldenkrise streiten vor allem Berlin und Athen miteinander, auch über Reparationen für deutsche NS-Gräuel in Griechenland. Nazi-Vergleiche rund um die Ochi-Tag sind also programmiert. Schon in der Vergangenheit waren griechische Karikaturen aufgetaucht, die Merkel als "Tochter Hitlers" beleidigten oder Finanzminister Wolfgang Schäuble in Nazi-Uniform zeigten.


CHINA

Militärparade in Peking (2009): Machtdemonstration im September

Militärparade in Peking (2009): Machtdemonstration im September

Foto: epa Adrian Bradshaw/ picture-alliance/ dpa

Das ist geplant: China will erstmals mit einer gigantischen Militärparade an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Asien erinnern. Japan, Verbündeter des Deutschen Reichs, kapitulierte am 2. September 1945 auf dem US-Schlachtschiff USS Missouri. Nun sollen Soldaten und Panzerfahrzeuge am 3. September durch Peking ziehen, 70 Jahre nach der japanischen Niederlage im Krieg gegen China.

Darum geht es: Japan besetzte zwischen 1931 und 1945 riesige Gebiete in Ostasien und beging vor allem in China grausame Kriegsverbrechen. Peking hält Tokio seit Jahrzehnten vor, diese Vergangenheit nicht ausreichend aufzubereiten. Darüber hinaus will Staatspräsident Xi Jinping nun wohl die Chance nutzen, die militärische Schlagkraft seines Landes zur Schau zu stellen - auch gegenüber Japan: Mit Tokio streitet Peking seit Jahren um mehrere Inseln .


Zusammengefasst: Das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und Asien vor 70 Jahren nutzen viele Staaten, um sich in aktuellen Konflikten zu positionieren. Russland und China demonstrieren ihre Macht mit großen Militärparaden. Zugleich macht es die Ukraine-Krise vor allem für die Bundesregierung schwierig, sich taktvoll zu verhalten.

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