Zwischenfall EU-Beobachter in Georgien beschossen

Die Lage in Georgien bleibt weiter angespannt: Waffenstillstandskontrolleure der EU sind nach eigenen Angaben nahe der abchasischen Grenze unter Beschuss geraten. Die EU-Vertreter protestieren energisch.


Tiflis - In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung teilte die EU-Mission mit, der Schusswechsel habe sich ereignet, als ein Beobachterteam Ermittlungen über den Tod eines georgischen Polizisten durchgeführt habe. Bei der Schießerei am Samstag sei niemand verletzt worden.

Die EU-Verantwortlichen bezeichneten den Vorgang als inakzeptabel und forderten die abchasischen Behörden auf, ihrerseits Ermittlungen aufzunehmen. Die 225 EU-Beobachter sollen den Waffenstillstand überwachen, der nach dem georgisch-russischen Krieg im August vermittelt wurde. Die Regionen Abchasien und Südossetien haben sich für unabhängig von Georgien erklärt und sind eng mit Russland verbündet.

Der Zwischenfall ereignete sich vor der neuen Runde der Genfer Friedensgespräche zum Kaukasus-Konflikt an diesem Mittwoch. Georgien lehnt es bisher ab, sich mit Vertretern aus Südossetien und Abchasien an einen Tisch zu setzen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warnte vor einem Scheitern der Georgien-Konferenz. Eine Einigung sei wichtig, um Flüchtlingen und Vertriebenen die Rückkehr zu ermöglichen, sagte er in Moskau.

Georgien wirft Russland vor, Abchasien und Südossetien zu okkupieren. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an dem August-Krieg. Es gilt allerdings unter Experten als unstrittig, dass Georgien mit dem militärischen Erstschlag gegen Südossetien begonnen hatte, woraufhin dann Russland mit übertriebener Härte reagiert habe. Kremlchef Dmitrij Medwedew erklärte sich am Rande des G-20-Gipfels in Washington bereit zur Wiederaufnahme der Beziehungen mit Georgien, sobald das "Regime" von Präsident Micheil Saakaschwili abgelöst sei.

suc/AP/dpa



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