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Terrorismus Aussagen gegen Carlos

aus DER SPIEGEL 1/1996

Die deutsche Ehefrau des in Frankreich inhaftierten Spitzenterroristen Carlos, Magdalena Kopp, ist aus Venezuela in ihre Heimatstadt Ulm zurückgekehrt und will nun gegen ihren Mann aussagen. Kopp soll fast zwei Jahrzehnte lang der Terrorszene angehört haben. Sie flog mit ihrer aus der Ehe mit Carlos stammenden Tochter Rosa vorvergangene Woche nach Deutschland zurück.

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Aussteigerin unter anderem wegen des Anschlags auf den Sender Radio Free Europe in München im Februar 1981, beantragte aber keinen Haftbefehl. Von Januar an soll Kopp von Spezialisten des Bundeskriminalamts vernommen werden. Carlos war im August 1994 vom Sudan an Frankreich ausgeliefert worden.

Die Terrorfahnder erhoffen sich von Kopp Angaben über Carlos und dessen mutmaßlichen deutschen Stellvertreter Johannes Weinrich, der seit seiner Festnahme im Juni in der Berliner Haftanstalt Moabit auf den Prozeß wartet. Carlos wie Weinrich weigern sich, Aussagen über Anschläge der Terroristengruppe zu machen, denen insgesamt 83 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Spektakulärste Aktion: die Geiselnahme der Opec-Minister im Dezember 1975 in Wien.

Kopp soll sich 1992 von Carlos getrennt und seither in der Obhut von dessen Familie in Venezuela gelebt haben. Nach der Verhaftung Weinrichs im Jemen hatte sie Kontakt zu deutschen Behörden aufgenommen und sich bereit erklärt, nach Deutschland zurückzukehren.

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