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»Baader, Bier, Sauerkraut«

»Was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie das Wort »Deutschland« hören?«, so lautete eine Frage der SPIEGEL-Untersuchung in Frankreich. 2000 Männer und Frauen, repräsentativ für die Franzosen ab 15 Jahren, sollten spontan antworten und erhielten keine Vorgaben. Die Interviewer des Instituts BVA notierten Stichworte oder Sätze so genau wie möglich. Im folgenden eine Auswahl.
aus DER SPIEGEL 48/1977

Haß. Sie haben zuviel Böses getan. Freunde. Freiheit.

Ein Land, in dem viel gearbeitet wird. Und es wird nicht viel gestreikt.

Die Qualität ihrer Produkte. Was sie machen, ist solide.

Bayern. Die Schlösser. Der Schwarzwald. Der Rhein. Die Musik.

Ordentliche Leute, mit denen man rechnen kann.

Krieg, Widerstand, das Knallen der Stiefel.

ich war während des Krieges im KZ. Sie können sich deshalb meine Gefühle vorstellen. Aber Haß empfinde ich nicht.

Krieg.

Ein Land wie jedes andere. Hitler. Der Rhein.

Das ist ein reiches Land, die Mark ist viel wert. Man muß die Deutschen im Urlaub sehen, es sind Könige. Nichts Gutes.

Mißtrauen, Disziplin.

Ein schönes Land, schöne Städte.

Ich denke an den Krieg, an die Verbrennungsöfen, und ich denke an ihre Fußballmannschaft.

Im wirtschaftlichen Bereich sind die Deutschen sehr korrekt und sehr sympathisch. Meine Kinder sind in Deutschland, sie sind sehr gut empfangen worden.

Heidelberg. Bier.

Nichts besonders. Ich empfinde keine Feindseligkeit gegen sie.

Disziplin. Hierarchie. Sauerkraut. Musik, Romantik.

BMW. Ich fahre schon das vierte Auto dieser Marke.

Die Grausamkeiten, die Folterungen.

Deutschland versucht, seine Vergangenheit vergessen zu lassen. Hochmut. Macht. Disziplin. Olympische Spiele. Bier. Sauerkraut. Die Baader-Bande. Hitler.

Wagner. Expressionistische Malerei. Das Theater um Brecht. Der Mord an Rosa Luxemburg.

Man kann nicht immer mit dem Gedanken leben, daß sie »Boches« sind. Man muß sehen, daß sie im tiefsten Herzen Frankreich und die Franzosen mögen.

Ich habe sie niemals ausstehen können wegen ihrer Mentalität. Vielleicht gibt es auch Gute unter ihnen. Baader. Bier. Sauerkraut.

Wenn Amerika sein Geld aus Deutschland abzieht, dann ist das da keine so große Sache mehr.

Ein reiches Land, regiert von intelligenten Menschen. Ein diszipliniertes Land, mehr als in Frankreich.

Ich denke an den Krieg. Aber man muß sich dennoch sagen, daß das der Vergangenheit angehört, und versuchen vorwärtszugehen. Sauberkeit.

Disziplin. Ich wollte, die Franzosen hätten auch soviel.

Obwohl ich den Krieg nicht mitgemacht habe, denke ich daran.

Eine Armee von großen, blonden Jungen.

Traurige Erinnerungen an den Krieg. Aber ich glaube trotz allem, was geschehen ist, daß man für die Zukunft »die Seite umblättern« muß. Schlechte und kalte Menschen.

Von meinen Eltern, die im Krieg stark betroffen waren, habe ich immer nur Schlechtes über die Deutschen gehört. Ich selbst denke nichts Schlechtes. Die jungen Deutschen können nichts dafür.

Der Terrorismus.

Hitler. Kanzler Schmidt. Baader. Eau de Cologne. Goethe.

Ein großes Land mit viel Wissenschaft.

Ein diszipliniertes Volk, aber grob. Ich bewundere sie wegen ihrer Disziplin, ihres Mutes, ihrer Intelligenz. Aber ich möchte dort nicht leben. Die Nazis. Die Resistance. Wirtschaftliche Macht.

Ich sehe da nichts Ungewöhnliches. Die Mauer. Es ist schade, daß Deutschland geteilt ist. Ich möchte die Wiedervereinigung.

Sie sind nicht meine Freunde.

Starke Menschen, große Esser und Trinker. Der Schwarzwald. Die Autobahnen.

Schlimme Erinnerungen an 16 Monate Militärdienst in Deutschland. Die meisten Deutschen sind streitsüchtig. Kein Sinn für Kameradschaft und Höflichkeit.

Ich war Kriegsgefangener und habe keine Abneigung gegen die Deutschen. Mir gefällt ihr Gehorsam gegenüber dem Gesetz.

Ein Land in guter wirtschaftlicher Verfassung, aber mit vielen schwierigen politischen Problemen.

Die Geschichte mit den Terroristen. Deutsch sein heißt sauber, dick und gesund sein.

Ich bewundere sie wegen ihres Mutes, aber ich liebe sie nicht. Ich habe zu viele Erinnerungen an die Abscheulichkeiten des Krieges.

Ich habe den Krieg mitgemacht. Trotz allem: Sie haben große Qualitäten. Vergangenheit ist Vergangenheit.

Geringe Preise für alle elektronischen Geräte.

Der Fortschritt auf allen Ebenen. Wenn man etwas in Frankreich macht, geschieht das meist, weil es bereits in Deutschland gemacht worden ist.

Das deutsche Volk ist mutig und ein bißchen fanatisch. Die deutsche Sprache ist sehr schön.

Ich hin sportlich, deshalb beeindruckt mich der Fußball.

Es ist das einzige europäische Land, das geteilt ist, sowohl geographisch wie politisch.

Ich weiß nicht viel darüber. Es scheint ein fleißiges Volk zu sein, sehr willig.

Die Deutschen sind mir sympathisch, ich bewundere, was sie neulich getan haben, um die Geiseln zu befreien.

Ein stolzes, mutiges und arbeitsames Volk. Es hat sehr gut das totalitäre System hinter sich gebracht und lebt in einer reellen Demokratie. Es ist ein gut regiertes Volk. Die Boches. Mercedes. Bier.

Ich denke an den Krieg mit ihnen, aber man muß vergessen können.

Sie sind nicht so dumm wie wir, man sieht es an dem Wert der Mark und des Franc.

Ein fremdes Land, eine andere Sprache, nicht das gleiche Leben.

Disziplin. Hohe Kaufkraft der Mark. Baader-Bande.

Große Männer, dicke Frauen. Ein schönes Land, sympathische Leute. Das Leben scheint leichter zu sein in Deutschland.

Sind immer unsere Feinde gewesen. Auge in Auge mit denen ist man nicht sehr enthusiastisch. Für mich bleiben sie der Feind.

Ein sehr mit uns verbundenes Land.

Im nächsten Heft

Frankreichs KP-Wähler und die DDR -- Die Sympathien der Frauen -- Wie denken die Lothringer? -- Jugend 1970 und 1977

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