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Kommunikation Balance der Taschen

Matsushita-Designer Iizuka entwirft die Handys der Zukunft
aus DER SPIEGEL 12/2001

Bei ihrem Vorstoß auf den Weltmarkt plagt die Matsushita-Manager in Tokio eine Sorge: Wer kennt im Ausland schon Panasonic-Handys? Der Marke fehlt bislang ein modisches Cyber-Image. Diesen Mangel soll ein Mann beheben, der im Gewusel der blassblauen Uniformen und goldenen Firmenabzeichen der Matsushita-Firmenkrieger wie ein Außerirdischer auffällt: Chef-Designer Toshiro Iizuka, 49.

Wenn der gelernte Architekt - gegelte Frisur, schwarzer modischer Anzug, graue Krawatte - seinen Aluminiumkoffer mit den neuesten Prototypen aufklappt, grinsen die Kollegen erwartungsvoll: Was schleppt er wohl an? Iizuka holt sich seine Ideen für neue Handy-Designs in den Tokioer Vergnügungsvierteln: Dort spricht er Passanten an und fragt, was sie gerade in ihren Innentaschen tragen. Oder er studiert das Verhalten der Kids in den Spielhöllen.

Die wichtigste Erkenntnis von Iizukas Feldarbeit lautet: »Handys dürfen nicht die Balance in den Innentaschen durcheinander bringen.« Für jeden Beruf, jedes Alter hat er das Passende im Koffer: Für Mädchen das superschlanke Handy, nicht viel dicker als ein Kamm. Für Geschäftsleute das Filzstift-Handy, für Hausfrauen ein Modell in Form eines rosa Clips, damit sie es an der Schürze festklemmen können. Diese Variante könnte ein Renner werden, im letzten Jahr verloren allein in Tokio 84 000 zerstreute Japaner ihre Handys.

Die Mobiltelefone der Zukunft, meint Iizuka, werden meist per Stimme zu bedienen sein. Klar auch, dass seine Handy-Entwürfe fast alle über (abnehmbare) Kameralinsen verfügen. »Dieses Gerät ist für junge Frauen«, sagt der Designer und zeigt auf eine flache Plastikschachtel, die sich wie ein Schminkset aufklappen lässt. Damit sollen junge Japanerinnen künftig sich selbst ablichten und Freunden das Foto mailen, mit einem herausnehmbaren Stift können sie das Porträt auf dem Display individuell beschriften.

Wenn Iizuka seine kreative Phase hat, dürfen ihn die Kollegen nicht stören - schon gar nicht per Handy. »Eigentlich hasse ich Handys«, behauptet der Designer und schaut genervt zu zwei Kollegen hinüber, die unaufhörlich auf ihren Handys E-Mails abrufen. Zurzeit grübelt er über seiner neuesten Idee. Nur so viel verrät der Meister: Das Handy der Zukunft soll fest in die Kleidung integriert sein und gar nicht mehr wie ein Handy aussehen. »Das wird ein Riesenhit.«

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