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Hausmitteilung Bangladesch / Türkei / Windkraft

aus DER SPIEGEL 27/2013
Hoppe in Dhaka

Hoppe in Dhaka

Foto: INDRANIL KISHOR/DRIK / AGENTUR FOCUS?

Am Sitz der Vereinigung der Textilfabrikanten und -exporteure, der wohl mächtigsten Institution des Landes, empfing Vizepräsident Shahidullah Azim die SPIEGEL-Redakteure Hauke Goos und Ralf Hoppe, um ihnen seine Sicht auf die Textilproduktion in Bangladesch zu erklären. Azim, selbst Besitzer zweier Textilfabriken, beharrte darauf, dass die Tragödie von Rana Plaza nur ein Einzelfall gewesen sei - jener Einsturz eines Fabrikgebäudes im April dieses Jahres, bei dem mehr als tausend Menschen in den Trümmern starben. Goos und Hoppe trafen außerdem Opfer und Überlebende der Katastrophe, sie sprachen mit Ermittlern, hatten Zugang zu internen Berichten. Ein Einzelfall, fanden sie heraus, war Rana Plaza mitnichten. »Es ist eher Teil des Systems Bangladesch, als Teil der globalen Produktionskette«, sagt Goos (zum Artikel ).

Boyun Egme - Beugt euch nicht«, lautete die Zeile des zweisprachig erschienenen SPIEGEL-Titels der vergangenen Woche. Er hat in Leserbriefen, Mails, Tweets und in türkischen Medien heftige Reaktionen ausgelöst - sie reichten von Abscheu bis zu Begeisterung. Glückwünsche zum gelungenen Integrationsprojekt waren ebenso zu lesen wie der Vorwurf, die Zweisprachigkeit fördere das Bestehen einer türkischen Parallelwelt in Deutschland. In der Türkei registrierte SPIEGEL-Redakteur Maximilian Popp, der die Reaktionen gemeinsam mit seiner Kollegin Özlem Gezer auswertete, viel Empörung bei Erdogan-Anhängern - und ein Aufblühen von Verschwörungstheorien. Schon am vorvergangenen Samstag, als nur das Titelbild, nicht aber der Text verbreitet war, kursierten krude Thesen: Der SPIEGEL habe den Auftrag der Bundesregierung, die Türkei zu spalten, zu schwächen und von der EU fernzuhalten. Außerdem wolle er verhindern, dass die Türkei den Konflikt mit den Kurden löse. Das tatsächliche Motiv des SPIEGEL wurde andererseits von vielen verstanden: ein Zeichen zu setzen, dass die Ereignisse in Istanbul alle Menschen etwas angehen, in Deutschland, in der Türkei, in Europa (zum Artikel ).

Vor 18 Jahren durfte SPIEGEL-Redakteur Matthias Schulz die Versuchswindanlage »Aeolus II« besteigen - bis auf 93 Meter Höhe, damals die größte Anlage der Welt. Heute sind die Anlagen fast 200 Meter hoch, und sie wachsen weiter. Rund 60 000 neue Windräder sollen in Deutschland gebaut werden, die Kosten explodieren, die Bürger laufen Sturm. Schulz sprach mit Bauern und aufgebrachten Hausfrauen und traf auf »enorme Spannungen« im Land. Einen neuen Boom-Beruf entdeckten seine Kollegen Michael Fröhlingsdorf und Simone Kaiser: den des Vogelzählers. Ornithologen sind sehr gefragt, seit die Protestierer den Charme von Auerhühnern und Rotmilanen entdeckt haben. Geschützte Vögel können den Bau von Rotoren verhindern, falls man sie am richtigen Ort finden kann. Die beiden sprachen mit professionellen Vogelexperten und mit Amateuren, die sich Bestimmungsbücher kaufen und Ornithologie-Kurse belegen, um den Milan nicht zu verpassen - wenn er denn wirklich kreist (zum Artikel ).

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