Zur Ausgabe
Artikel 62 / 64
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Barbara von Hassel

aus DER SPIEGEL 4/1966

Barbara von Hassel, 22 (r.; l.: ihre Mutter Elfriede von Hassel), Tochter des Bundesverteidigungsministers Kai-Uwe von Hassel und Krankengymnastik-Praktikantin am Berliner Rudolf-Virchow-Krankenhaus,fuhr im Vorjahr gemeinsam mit einer Freundin per Anhalter von West-Berlin durch die DDR nach Hamburg. Die Minister-Tochter wurde von dem Geschäftsführenden Hauptvorstandsmitglied der Gewerkschaft Nahrung - Genuß - Gaststätten, Willy Sprenger, der die Tramperin 200 Meter vor dem Zonen-Kontrollpunkt Staaken am Straßenrand winken gesehen hatte, in dessen VW 1500 bis Hamburg-Bergedorf mitgenommen. Bei der Kontrolle durch die Volksarmisten mußte der Gewerkschafter so lange auf die Minister-Tochter warten, daß er Unannehmlichkeiten durch die DDRBehörden befürchtete. Er vertraute deshalb einem neben ihm haltenden Mercedes-Fahrer an, wer seine Beifahrerin sei, und bat den Mitwisser, er möge eine Fahrzeugpanne vortäuschen, um dadurch am Kontrollpunkt warten zu können, bis das Schicksal Fräulein von Hassels und ihres Chauffeurs geklärt sei; falls die DDR-Grenzwächter jemanden festhielten, solle er die westdeutschen Behörden informieren. Die Minister-Tochter, die 15 Minuten lang der üblichen Kontrolle von Durchreisenden unterzogen und anschließend 15 Minuten lang verhört wurde ("Man hat mich anständig behandelt"), über die Reaktion ihres Vaters, der Bundeswehrsoldaten Reisen durch und in die DDR untersagt hat: »Er erfuhr erst davon, als ich wieder in Berlin war. Er hat mir verboten, das noch einmal zu machen.« Fräulein von Hassel über die Gründe für ihre Trampfahrt: »Es war ein Einfall des Moments.«

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 62 / 64
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.