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Briefe

Basta-Manns Traumgegner
aus DER SPIEGEL 5/2002

Basta-Manns Traumgegner

Nr. 3/2002, Titel: Der Kandidat

Nach über 20 Jahren Abstinenz versucht sich jetzt wieder mal eine bajuwarische Lichtgestalt am Projekt »Kanzlerkandidatur«. Um es stilecht mit Franz Beckenbauer zu sagen: »Schau mer mal - dann seh'n mer's schon.« Die Entzauberung wird auch hier erfolgen, und dann sind wieder mindestens 20 Jahre Ruhe.

MERZENICH (NRDRH.-WESTF.)

STEPHAN ERVEN

Der Verzicht ist die bisher geschickteste Aktion Merkels. Sie hätte nie eine Chance gehabt. Und weil auch Stoiber keine hat, wird sie sich nach der Wahl genüsslich zurücklehnen und ihrem Widersacher den schwarzen Peter zuschieben.

KÖLN GERHARD STANDOP

Die einstmals so selbstbewusste CDU zieht nun - mangels geeigneter Köpfe in den eigenen Reihen - mit dem Kanzlerkandidaten einer befreundeten Partei in den Wahlkampf. Getreu dem Werbeslogan der Leasinggesellschaften für Gebrauchtwagen: Hast du keinen, leih dir einen.

DÜSSELDORF KARL SCHWAN

Ein Bayer Bundeskanzler in Berlin? Undenkbar! Basta-Mann hat seinen Traumgegner.

LAUFEN (BAYERN) ROLF MANGOLD

Eigentlich schade für die Union, dass sie ihre Wahlchancen jetzt schon minimiert. Mit einer Kandidatin Merkel hätte man zum einen vermehrt Frauen ansprechen können. Und zum anderen hätte man der PDS einiges an Stimmen wegnehmen können. Schließlich ist Frau Merkel eine Ostdeutsche. Aber wahrscheinlich waren dies genau die Gründe, warum sie über so wenig Rückhalt in der eigenen Partei verfügte. Trotzdem wird Angela Merkel wohl als Siegerin hervorgehen. Wenn die Union gewinnt, dann ist es auch ihr Sieg. Wenn die Union verliert, ist es bestimmt nicht Frau Merkels Niederlage.

DÖLBAU (SACHS.-ANH.) ALEXANDER RENZ

Mit meinen bald 90 Jahren habe ich bislang eine derartige Ladung voller hinterhältiger Heuchelei dieser CSU-/CDU-Männerphalanx noch nicht erlebt. - So »schlachteten« sie eine Frau ab, der sie eigentlich viel zu danken hätten. - Pardon: Sie haben ihr ja wohl doch gedankt, als sie ihr Opfer zur Strecke gebracht hatten. Und solche ehrenhaften Herren wollen uns demnächst regieren! Noch schlimmer: Sogar »Christen« wollen sie sein!

OLSBERG-ELPE (NRDRH.-WESTF.) PAUL HENNECKE

Ein bissiger Kanzlerkandidat auf der einen Seite, eine rat- und hilflose Regierung auf der anderen. Man fragt sich, warum diese Betriebsamkeit in der Arbeitsmarktpolitik nicht schon längst entfaltet wurde. Da Schröder sich an den Arbeitslosenzahlen messen lassen wollte und er offensichtlich das vollmundig gesteckte Ziel weit verfehlen wird, stellt sich doch nunmehr die Frage nach einem Kanzlerkandidaten der SPD - oder will er gar wortbrüchig werden und wie sein von ihm verspotteter Vorgänger die paar Arbeitslosen zu viel einfach aussitzen?

HAMBURG G. FREESE

Angela Merkel hat sich - obwohl alle Trümpfe in der Hand - in der Krise ihrer Partei als Feigenblatt missbrauchen lassen und ihren Anspruch auf die Kanzlerkandidatur viel zu spät und zögerlich formuliert. Hoffte sie etwa, die Parteifreunde würden ihr den Vortritt lassen? Statt stellvertretend für die Frauen eine historische Chance zu nutzen, verhalf sie Edmund Stoiber auch noch zur Krönungsmesse. Ohne den wirklichen Willen zur Macht wird sich in diesem Land in Spitzenpositionen für Frauen nichts verändern.

DÜSSELDORF PETRA MUCH

Die »K-Frage« ist ja nun vom Tisch - und damit eben so entschieden, wie es auch kaum mehr anders zu erwarten war. Nur: War der Tritt noch notwendig, den Sie mit Ihrer hämischen Titelblattgestaltung der gewiss alles andere als souverän wirkenden CDU-Chefin noch mit auf den Weg gaben? Wo bleibt da das Fairplay?

HÜRTH (NRDRH.-WESTF.)

HANS-LEO RICHTER

Gratuliere zu Ihrem tollen Titelbild! Besser hätte man die Situation nicht darstellen können.

DÜSSELDORF ELENI STEFANIDIS

Nach einem grandiosen politischen Ränkespiel (hat da Herr Wedel das Drehbuch geschrieben?) darf nun der Kandidat ran, der nach Meinung der »Meinungsforscher« die besten Chancen hat. Und die Abservierte lacht dabei noch in alle Kameras! Politische Inhalte, Perspektiven für die Zukunft der Jüngeren, verantwortungsvolle Familienpolitik? Alles kein Thema. Lieber gleich aus ideologischen Gründen das Rad an vielen Stellen zurückdrehen und gleich wieder allen alles versprechen. Und das mit den alten Köpfen, die schon unter Helmut Kohl 16 Jahre mitmischten, und den »Jungen«, die nur unter Helmut Kohl etwas werden durften. Langsam dämmert mir, was die viel beschworene »Mitte« tatsächlich ist. Das sind wohl die Wähler, die diejenigen wählen, die das meiste versprechen. Das Erinnerungsvermögen ist bei dieser Spezies nur von kurzer Dauer.

BEXBACH (SAARLAND) KLAUS GLESER

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