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Briefe

BAUCHLANDUNG
aus DER SPIEGEL 24/1960

BAUCHLANDUNG

Auf ihrem ureigensten Gebiet, dem des professionellen Mißtrauens, der Spionage, der bulligen Abschließung und Geheimhaltung, waren die Sowjets auf eine derart imponierende Weise besiegt und bloßgelegt worden, daß Regierung und Militärs bestürzt, verwirrt und hochgereizt sein mußten wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Wiesbaden WOLFGANG M. RAUCH

Ihre minuziös chronologische Darstellung der Gipfel-Rutschpartie bestätigt in entscheidender Weise, wie wenig die Weltpolitik in entscheidenden Augenblicken von sachlichen Gesichtspunkten und wie sehr sie dagegen vom falsch verstandenen Ehrgefühl der einzelnen Akteure beeinflußt wird. Immer wenn Staatsmänner den Mund auftun, versichern sie, im Namen ihrer Nation und ihres

Landes zu sprechen. Sie vergessen aber, die Worte der Gegner zunächst an der Resonanz der von ihnen vertretenen Völker zu prüfen; ihre Reaktion ist vielmehr ein Spiegelbild ihres eigenen mehr oder weniger psychopathischen Innenlebens.

Frankfurt EUGEN BÄRNHOF

Die einzige Antwort, die der Westen geben konnte, um seine Blamage nicht zu sehr im Blickpunkt der öffentlichkeit erscheinen zu lassen, war die Aufrechnung der verhafteten russischen Spione seit Stalins Tod.

Quakenbrück (Nieders.) WALTER RÖSNER

Eisenhower hatte die Möglichkeit, sich für die wirklich aggressiven Einflüge zu entschuldigen und ihre Wiederholung zu unterbinden. Diese Forderung Chruschtschows war durchaus angebracht. Ihr wurde nicht entsprochen! Warum wohl nicht? Fragen Sie den alten Freund Syngman Rhees in Bonn, er weiß es.

Duisburg-Meiderich

FERD. CASPERS

Ist es verwunderlich, daß Chruschtschow bei seiner Reise von Malinowski beschattet wurde, nachdem er den USA, als er

allein war, die totale Abrüstung anbot? Dadurch würden doch die Generäle brotlos.

Boostedt (Holst.) DR. WALTER BARTRAM

... nicht ausgeschlossen, daß Chruschtschow in Paris nur auf Anraten seines »Freundes« Mao so maßlos und unverschämt war.

Düsseldorf ARNO FRITZ

Täglich zogen die Amerikaner ihre Kreise über Rußland, und nicht einmal passierte etwas. Ausgerechnet zehn Tage vor einer Konferenz, die zum Beispiel für Rüstungsindustrien unangenehm werden könnte, fällt ein Flugzeug, noch dazu mit allem Drum und Dran, Aufnahmen, Papieren und einem lebenden Führer, den Russen in den Schoß. Obendrein aus 14 000 Metern Höhe. Als dann die Konferenz geplatzt war, was geschah in der Wallstreet? Man sollte annehmen, daß in der ganzen westlichen Welt, die ja den Frieden will, Depression herrscht und die Börsenkurse fallen. Ganz im Gegenteil: Wallstreet verzeichnet eine Hausse in Rüstungspapieren. Wem tat die ganze Sache also gut?

Iffeldorf (Obb.) HANS KASCHE

Bartram*

* Von 1951 bis 1952 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein.

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