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Fernsehen Beckmanns Tabus

aus DER SPIEGEL 46/1994

Der populäre Fußballmoderator ("ran") Reinhold Beckmann, 38, riskiert seine Karriere bei Sat 1. Die Freitags-Talkshow »No sports«, mit der Beckmann zum Unterhaltungsstar aufsteigen wollte, ist durch einige Unflätigkeiten in dem konservativen Sender zum Streitfall geworden. Auf dem Bonner Bundespresseball bat Sat-1-Sonderreporter Stefan Raab, sonst beim Popkanal Viva tätig, vorletzte Woche auf der Damentoilette zum Live-Interview - zum Verdruß von Anne Steinbeck-Klose, Frau des SPD-Politikers Hans-Ulrich Klose. Und Bundespräsident Roman Herzog, sichtlich genervt, sollte »Backe, backe, Kuchen« singen. Die Veranstalter schrieben danach an Sat 1, sie sähen sich »gerne gezwungen«, künftig auf Sat-1-Teams zu verzichten. Offenbar will Beckmann mit Tabubrüchen die Einschaltquote nach oben treiben: Bisher bringt er nur eine Million Zuschauer an den Bildschirm (Ziel: mindestens 1,5 Millionen). So schreckte er eine halbe Stunde vor Mitternacht einen bayerischen Ministerialrat aus dem Schlaf. Er sollte zu Aktionen gegen einen Lehrer befragt werden, der ein Erotikbuch geschrieben hat. Beckmanns Sendung, kritisierte Bild am Sonntag, sei eine »Schmuddel-Show«, die »wirklich keine Verletzung zivilisierter Umgangsformen« auslasse. Die Zeitung gehört zum Axel Springer Verlag, der zusammen mit Filmhändler Leo Kirch den Sender Sat 1 beherrscht. Intern sei bereits die »Rote Karte« für Aufsteiger Beckmann gefordert worden, sagen Eingeweihte. Beckmann entschuldigte sich schriftlich bei Herzog. »No sports« sei halt, so Redaktionsleiter Michael Voppe, ein »gewöhnungsbedürftiges Produkt«.

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