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ESTLAND Befreier oder Besatzer

aus DER SPIEGEL 4/2007

Der »Bronze-Soldat« steht im Stadtzentrum von Tallinn, nicht weit entfernt vom Regierungssitz im Barockschloss Toompea. Er soll an die Befreiung vom Faschismus erinnern. Jetzt wird die Statue eines Rotarmisten zum Sinnbild eines neuen Kalten Krieges mit dem großen Nachbarn Russland. Weil Präsident Toomas Hendrik Ilves, 53, ein Gesetz des Parlaments unterzeichnete, das den Abriss sowjetischer Kriegsdenkmäler im Land vorsieht, droht der Kreml der einstigen Sowjetrepublik mit Sanktionen, zum Beispiel mit Handelsbeschränkungen. Präsident Wladimir Putin steht es nach einem Beschluss der Duma frei, »Strafmaßnahmen« nach Wahl zu verhängen. Ilves sieht in dem Monument eine »Verherrlichung fremder Eroberer«, die 1944 lediglich »ein kriminelles System durch ein anderes ersetzt« hätten. Russlands Außenminister Sergej Lawrow nannte das »Blasphemie«, die Duma spricht von »Verherrlichung des Faschismus«. Auch der Jüdische Gemeinde-Verband in Moskau kritisierte, die »Befreier Europas vom Nazi-Joch« würden jetzt als »Besatzer« diffamiert. Die Beziehungen zwischen Russland und Estland sind schon länger nicht besonders gut. So verzögern die estnischen Behörden die Vergabe der Staatsbürgerschaft an mehr als 100 000 Einwohner, die zur russischen Minderheit zählen: Sie sollten erst Estnisch lernen. Zugleich sucht der vorigen September gewählte Präsident Ilves, der über 20 Jahre in den USA lebte, die Nähe zur Regierung Bush.

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