Zur Ausgabe
Artikel 73 / 87

MODERNES LEBEN »Beiläufige Meisterschaft«

aus DER SPIEGEL 44/1987

Der Eßkultur Japans, einer höchst subtilen kulinarischen Kunstform also, ist der neue Bildband des Photographen Reinhart Wolf, 57, gewidmet: Nicht einfach Speisen werden dem Betrachter dargeboten sondern »erlesene Bilder eßbarer Kompositionen« - so der Schweizer Schriftsteller und Japan-Kenner Adolf Muschg in einem Vorwort, das die kulturelle Bedeutung und die »beiläufige Meisterschaft« des japanischen Küchenhandwerks klug analysiert. Nicht in aufwendiger Studiotechnik sind die meisten der 76 faszinierenden Farbphotos des Bildbandes entstanden, sondern zumeist abends im Hotelzimmer; dort, »zwischen Bett und Badezimmer« (Wolf), wurden all die Tofu- und Sushi-Köstlichkeiten, wurden Kugelfische und Seetang, Sumo-Ringkämpfer aus Schokolade und Higashi (ein halbrohes Konfekt zur herbstlichen Teezeremonie) ausgebreitet - Objekte des Photographen, gesammelt auf Streifzügen durch Märkte, Kaufhäuser und Restaurants. Die informativen, jeweils den Bildtafeln gegenüberstehenden Texte hat Angela Terzani verfaßt, die in Tokio lebt. Seit Freitag letzter Woche sind die Wolf-Photos im Haus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ausgestellt. Das Titelbild des auf schwarzem Fond kostbar gedruckten Bildbandes, der gleichzeitig in Frankreich, England und den USA herauskommt, zeigt einen »glückbringenden Apfel«, verziert mit dem japanischen Schriftzeichen für »Langes Leben«. Den gärtnerischen Trick - eine Schablone in der Form des Schriftzeichens wird auf den heranwachsenden Apfel gelegt und schirmt an dieser Stelle das Sonnenlicht ab - ließ Wolf in den Apfelplantagen im Alten Land bei Hamburg nachmachen. Die Glückbringer-Äpfel gediehen auch in Hamburg und wurden, als Werbegag, auf der Frankfurter Buchmesse verteilt ("Japan - Kultur des Essens«. Wilhelm Heyne Verlag, München; 176 Seiten; 98 Mark).

Zur Ausgabe
Artikel 73 / 87
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.