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Beleidigte Beamte

aus DER SPIEGEL 42/1972

Der Koalition drohen unnötige Stimmen-Verluste bei rund drei Millionen Wählern aus Beamten-Familien: Aus Rücksicht auf den Beamten-orientierten kleinen Koalitionspartner FDP will Bundeskanzler Brandt darauf verzichten, vor den über 800 Delegierten des Bundesvertretertages des Deutschen Beamtenbundes Anfang November in Bad Godesberg aufzutreten. Statt dessen soll FDP-Vorsitzender Walter Scheel für Stimmen werben -- neben CSU-Chef Strauß, CDU-Chef und Kanzlerkandidat Barzel, CDU-Bundestagspräsident von Hassel und Bayerns CSU-Ministerpräsident Goppel. Schon beschwerte sich Beamten-Führer Alfred Krause: »Es ist das erste Mal, daß der Kanzler nicht selbst zu unserem Vertretertag kommt. Zu den Gewerkschaftstagen aber geht er. Die zurückgesetzten Beamten-Funktionäre -- so droht Krause -- könnten durchaus vierzehn Tage vor der Wahl koalitionsfeindliche Entschließungen an ihre Kollegen weiterleiten, da sie ohnehin mit der diesjährigen Gehaltsaufbesserung von vier Prozent plus 30 Mark Sockelbetrag nicht zufrieden sind. Krause prophetisch: »Und diese Entschließungen haben natürlich Auswirkungen auf das Wahlverhalten.«

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