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Briefe

BELEIDIGTE NATION
aus DER SPIEGEL 8/1968

BELEIDIGTE NATION

(Nr. 4, 1968, Leserbriefe)

Wenn in der kleinen »neutralen Schweiz« ein »kleiner Student« im SPIEGEL seine Meinung zum »Morgenthauplan« zum besten gibt, so zeugt das schon von seiner maßlosen Arroganz, gepaart mit Frechheit, wie sie Pseudointelligenzlern von heute eigen ist, die zur Zeit des Morgenthauplanes noch in den Windeln lagen. Herr Andre Bellart hat mit seinem Pamphlet von der »braunen Jauche«, die über die Schweizer Grenze hinweg »zum Himmel stinkt«, eine ganze Nation und ihre großen Geister von Bach bis Richard Strauß, von Goethe bis Mann beleidigt, und damit der hohen Meinung, die wir Deutschen aer »Freien Schweiz« entgegenbringen zum Schaden seines Landes einen schweren Schlag versetzt.

Konstanz F. SCHMIDT.-SOBLTK

Ich bin ganz sicher, daß uns die Ratten nicht fressen werden, Sie hingegen, Herr Bellart, werden von Ihrem eigenen Haß zerfressen werden.

Lieb (Hessen) HEINZ-PETER REX

Das Niveau des Briefes des Herrn Bellart läßt wohl ohne weiteres annehmen, daß Herr Bellart, wenn er im Jahre 1933 in Deutschland gelebt hätte, wohl mit größter Wahrscheinlichkeit auch zu der »braunen Jauche« gehört hätte.

Augsburg DR. MED. ROECK

Dieser Brief hat mich erschüttert, weil er eine kaum zu überbietende Überheblichkeit zeigt, die nur dem Hirn eines wenig reflektierenden, unreifen jungen Menschen entstammt. Mich beunruhigt das Aufkommen der NPD und sonstiger rechtsradikaler Gruppen sehr. Mir wurde dieser Tage das Interview mit dem Knüppelschläger Wachau (der mit seiner Krücke Heiligabend in der Kaiser- Wilhelm-Gedächtniskirche Rudi Dutschke auf den Kopf schlug) im »Stern« gezeigt, was mir sehr zu denken gab, ob nicht vielleicht Bellart im Grunde doch recht hat, aber seine Art zu schreiben, kann nicht die Richtige sein.

Als ich diesen Leserbrief meinen Schülern im Gymnasium vorlas, gingen sie hoch. Sie gingen ebenso hoch beim Hören des »Stern«-Interviews mit Wachau. Doch sorgen Leserbriefe wie von Bellart dafür, daß Jugendliche sogar eher auf die Seite eines Wachau überwechseln, als daß sie die Sorge der Studenten begreifen werden.

Prüm (Rhld.-Pf.) H. HERFKENS

ev. Pfarrer

Seit wann betreibt der SPIEGEL die Geschäfte der NPD? Denn der Abdruck der insipiden Leserzuschrift des Studenten Bellart ist genau Wasser auf die Mühlen dieser Partei, ja, muß die Deutschen betroffen machen und geradezu in ihre Arme treiben! Ein Student müßte doch seinen Hegel kennen und heute wissen, daß eine actio mit naturgesetzlicher Konsequenz die doppelte und dreifache reactio im Gefolge hat.

Pöcking (Bayern) HANS-JOACHIM KNIGGE

Seit ich den Leserbrief jenes Baseler Studenten über die »zum Himmel und über die Grenzen hinweg stinkende deutsche braune Jauche« las, kann ich nur sagen: Hier stinkt nicht minder auch der SPIEGEL. Ich habe daher mit gleicher Post das Abonnement Ihres Magazins gekündigt.

Düsseldorf HORST VON DIENER

Als Schweizer möchte ich mich für den Erguß des André Bellart in aller Form entschuldigen. Hoffentlich hat man diese Halltirade nicht als allgemeines schweizerisches Denken aufgefaßt. Wie die gegenwärtige Zeit zeigt, leiden eben besonders Studenten unter verspäteter Pubertät.

Hunderttausende verfolgen hier vor allem das Deutsche Fernsehprogramm und wissen, mit welcher Sorge die verantwortlichen drei Bundestagsparteien die NPD-Erscheinung verfolgen. Daß sich Unzufriedene in allen Ländern immer wieder sammeln, ist eine alte Tatsache.

Ettingen (Schweiz) THEO Buser-Kerat

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