Zur Ausgabe
Artikel 60 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Haiti Belohnung für Putschisten?

aus DER SPIEGEL 42/1994

Mindestens einer der haitianischen Putsch-Offiziere, die von US-amerikanischen Truppen vergangene Woche ins Exil nach Panama geleitet wurden, ist nach geheimgehaltenen Erkenntnissen der amerikanischen Drogenbehörde DEA in Kokaingeschäfte verwickelt. Die US-Regierung verzichtete gleichwohl auf eine Strafverfolgung und erlaubte die ungehinderte Ausreise der Militärs. Ex-Stabschef Philippe Biamby, einer der Putschführer gegen Präsident Aristide und Mitglied der Herrscherclique um General Raoul Cedras, tauchte bereits in den achtziger Jahren in einer geheimen Liste der DEA auf, welche die Namen von 20 hochrangigen haitianischen Offizieren enthielt.

Biamby und Ex-Machthaber Raoul Cedras, die an Bord eines amerikanischen Charterflugzeugs nach Panama ausreisten, können jetzt wieder über ihre Guthaben im Ausland verfügen. Die US-Regierung hat Cedras' Anwesen in Haiti - eine Stadtvilla und ein Haus am Strand - für mindestens ein Jahr angemietet, um dort US-Personal unterzubringen, und bot dem Putschführer dafür eine stattliche Vorausmiete. Menschenrechtsexperten in Haiti befürchten, daß Washington den Putschisten gleichsam Schweigegeld bezahlt habe, damit sie nicht über mögliches US-Wohlwollen beim Sturz des rechtmäßigen Präsidenten plaudern. Die CIA hatte Cedras stets hofiert, andere Washingtoner Behörden den sozialistischen Priester Aristide offen angefeindet. Das US-Magazin The Nation berichtete jetzt, daß der militärische Geheimdienst des Pentagon den Chef der haitianischen Terrormiliz Fraph und Aristide-Gegner Michel Constant jahrelang finanziert habe.

Zur Ausgabe
Artikel 60 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.