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Bernard und Sue Murphy

aus DER SPIEGEL 46/1993

Bernard, 74, und Sue Murphy, 68, katholisches irisches Rentnerehepaar, wohnen mitten in Belfast im fast unerreichbaren Niemandsland. Ihr Haus, Nummer 28, ist als einziges übriggeblieben in einer einstmals dichtbebauten Straße, die, jetzt mit einer Mauer verstärkt, als Frontlinie Protestanten und Katholiken voneinander trennt. Das einsame Paar widerstand bislang allen Umsiedlungsversuchen der Behörden. Benzinbombenanschläge und Steinwürfe von beiden Seiten der Mauer haben die Murphys überstanden, »aber das hat nichts mit Tapferkeit zu tun, wir sitzen hier einfach fest«. Post erreicht sie, wenn überhaupt, mit wochenlanger Verspätung. Dann steht auf den Kuverts oft »Unzustellbar. Bissiger Hund«. Die Murphys besitzen keinen Hund: »Das ist nur eine Entschuldigung dafür, daß unsere Straße nicht mehr existiert.«

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