Zur Ausgabe
Artikel 99 / 108
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Beschämender Eiertanz
aus DER SPIEGEL 9/2007

Beschämender Eiertanz

Nr. 7/2007, Zigaretten: Das Nichtrauchergesetz - ein Lehrstück über die Mechanismen von Scheinpolitik

Warum heißt es immer noch »Nichtraucher« und »Nichtraucherinnen«? Ist denn Rauchen immer noch der Normalfall? Ich bin weder Nichtraucher noch Nichtkrimineller oder Nichtalkoholiker. Ich bin ein Normalatmender und wünsche als ein solcher behandelt zu werden.

GENF HELMUT LUBBERS

Zuweilen ähnelt die Bundesregierung einer psychiatrischen geschlossenen Anstalt. Jüngst kam der Vorschlag eines Ministers, das Rauchen doch zumindest zu später Stunde zu gestatten. Recht so: Die Deppen von Nichtrauchern, die auf ihre Gesundheit achten und von denen der Staat daher keine Tabaksteuer kassiert, sollen getrost auch mit den Hühnern schlafen gehen. Dieser beschämende Eiertanz um ein Nichtraucherschutzgesetz, der in keinem anderen Land denkbar ist, nicht einmal in einem Land wie Italien, in dem Korruption nun wirklich kein Fremdwort ist, ist symptomatisch für diese Regierung.

BAD BOCKLET (BAYERN) MARGOT SCHOLZ

Solange in deutschen Gaststätten ein Raucher eher akzeptiert wird als eine stillende Mutter, so lange bleiben wir von einer kinderfreundlichen Gesellschaft weit entfernt.

EISENACH (THÜRINGEN) SUSANNE POHLER

Wenn es als wissenschaftlich erwiesen gilt, dass Tabakrauch in Innenräumen eine erhebliche Gesundheitsgefährdung mit möglicher Todesfolge darstellt, brauchen wir keine neuen Nichtraucherschutzgesetze, weil der Straftatbestand der Körperverletzung nach § 223 StGB erfüllt ist: »Wer eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.« Das genügt doch wohl?

BAD BREISIG (RHLD.-PF.) HARALD SÖRENSEN

Ich bin 78 Jahre jung, rauche seit über 60 Jahren, habe in sieben Ländern gearbeitet und lebe seit 35 Jahren in Italien. Das absolute Rauchverbot hier stört mich überhaupt nicht: Zu Hause wird auf dem Balkon geraucht, und beim Restaurantbesuch ist immer Platz vor der Tür, um eine Zigarette zu rauchen. Es braucht nur ein wenig Menschenverstand und guten Willen!

ROM CHRISTA ROVIGATTI-JOHN

Wir besitzen ein renommiertes Restaurant mit gehobener Küche. Seit mittlerweile zehn Jahren sind mein Mann und ich Nichtraucher. Unsere beiden Servicemitarbeiterinnen sind ebenfalls Nichtraucher. Wie lange noch werden wir gezwungen sein, an mindestens fünf Tagen in der Woche stinkenden und gesundheitlich bedenklichen Rauch einzuatmen? Seit drei Jahren bieten wir in unserem Restaurant einen räumlich getrennten Nichtraucherbereich an. Er ist fast immer vor dem Raucherbereich ausgebucht! Wir fürchten jedenfalls keine Umsatzeinbußen durch ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie.

HAMBURG DIANA KISSMANN RESTAURANT »PIAZZA«

Die Raucher zahlen ja nicht nur 14 Milliarden Euro Steuern. Sie verursachen durch ihre Sucht auch Kosten (raucherbedingte Krankheiten, Operationen, Arbeitsausfälle, Frühverrentung) - und das nicht nur bei sich, sondern auch bei den Passivrauchern, die sie in die Geiselhaft ihrer Sucht nehmen. Wenn man alles zusammenrechnet, könnten die Kosten für die Allgemeinheit viel höher sein als die Steuereinnahmen.

BAD KREUZNACH (RHLD.-PF.) MANFRED BEYER

Nun sind auch Sie auf den Zug der Nichtrauchermafia aufgesprungen. Kein Wort darüber, dass auch die Raucher auf der anderen Seite des Problems Betroffene sind. Anscheinend kommt niemand auf die Idee, dass für große Teile der Bevölkerung Rauchen nicht die blanke Sucht ist, sondern auch ein Teil Lebensqualität - etwa eine Pfeife nach einem guten Essen oder eine Zigarette beim Small Talk in einem Bistro.

MÜNCHEN HANS-GERHARD BECK

Wieder mal typisch: Jede Bananenrepublik bekommt einen landesweiten Nichtraucherschutz hin - nur unsere Schnapsnasen in Berlin und den Ländern nicht. Wahrscheinlich brauchen die Herren weiteren Druck der EU oder unseres Verfassungsgerichts. Wird Zeit, dass wir bisher nur leise mosernden Bürger auf die Straße gehen und unseren sogenannten Volksvertretern den Marsch blasen. Nicht nur unsere Lungen werden es uns danken.

GERLINGEN (BAD.-WÜRTT.) JÜRGEN KÖTTE

Zur Ausgabe
Artikel 99 / 108
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.